EU-Wahl: Berlusconi befürchtet Rekordtief und attackiert Rivalen

Rom (APA) - Die letzten Tage Wahlkampf in Italien sind zum Showdown zwischen den drei Alphamännern der italienischen Politik geworden. Premi...

Rom (APA) - Die letzten Tage Wahlkampf in Italien sind zum Showdown zwischen den drei Alphamännern der italienischen Politik geworden. Premier Matteo Renzi, Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi und „Fünf Sterne“-Gründer Beppe Grillo sparen nicht mit verbalen Prügeln, um die Gunst der viele noch unentschlossenen Wähler zu gewinnen.

Berlusconi befürchtet eine Wahlschlappe seiner konservative Gruppierung Forza Italia und setzt seine Rivalen stark unter Druck. Der Medienzar, dessen Partei laut Umfragen sich mit einem dritten Platz und lediglich 18 Prozent der Stimmen begnügen wird müssen, betrachtet die Grillo-Bewegung als gefährlichsten Konkurrenten. „Die Fünf Sterne-Bewegung ist eine gravierende Gefahr für unsere Demokratie. 1994 bin ich in die Politik eingestiegen, um die Aussicht auf eine Linksregierung abzuwenden. Jetzt ist noch die Gefahr der Fünf Sterne-Bewegung dazu genommen, die eine unglaubliche Zustimmung erntet. Wer verzweifelt und empört ist, betrachtet Grillo als einzige Revanchemöglichkeit“, so Berlusconi.

Der TV-Zar, der unermüdlich TV- und Radiointerviews gibt, um die Herzen seiner müden Wählerschaft zu beflügeln, setzt auch seine antideutsche Kampagne fort. Italien erlebe wegen dem von der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel aufgezwungenen Austeritätskurs eine dramatische Situation, wie Deutschland nach der Weimar-Republik.

Der Rundumschlag des Medienzaren traf auch Regierungschef Matteo Renzi. Als „Dilettanten“ bezeichnete Berlusconi die junge Regierung des 39-jährigen Premiers. Dieser habe den Steuerdruck auf Finanzrendite und auf Bankkonten erhöht. „Italien leidet unter dem höchsten Steuerdruck der Welt“, kritisierte Berlusconi.

Auch der Starkomiker Grillo sorgt mit seinen provokativen und populistischen Wahlkampfslogans weiterhin für Eklats. Der 65-jährige Genueser kündigte eine groß angelegte Initiative gegen die Korruption an, sollte seine Partei zur stärksten Einzelgruppierung bei den EU-Wahlen am Sonntag aufrücken. Er werde eine Schwarze Liste von Unternehmern, Journalisten und Politikern veröffentlichen, die seiner Ansicht nach für Korruption und Missstände im Land verantwortlich seien. „Man kann kein neues Italien aufbauen, ohne diejenigen zu isolieren, die Italien - weltweit die fünfte Industriemacht - in eine Einöde verwandelt haben“, erklärte Grillo.

Einen Kurswechsel in Europa, forderte unterdessen Premier Renzi. Weg von der Austerität, hin zu neuer Wachstumsorientierung in der EU, lautet das Credo des Regierungschefs. Drei Monate nach seinem Amtsantritt genießt der sozialdemokratische Regierungschef immer noch ein Popularitätshoch, das seiner Demokratischen Partei (PD) in den gegenwärtigen Umfragen zwischen 33 und 35 Prozent der Stimmen verheißt.

Renzi rief die Italiener wiederholt auf, zu den Urnen zu gehen. Laut Umfragen sind noch sieben Millionen Wähler unentschlossen, für wen sie stimmen sollen. Die Stimmenenthaltung könnte sogar auf ein Rekordhoch von 42 Prozent steigen, geht aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitut SWG hervor. Vor allem bei Jugendlichen und Frauen sei die Zahl der Unentschiedenen hoch.

Staatschef Giorgio Napolitano versuchte die Gemüter zu beruhigen. „Italien braucht Ruhe. Man darf nicht das Vertrauen verlieren, denn das Land hat klares Potenzial“, mahnte der Präsident.