Smartphone-App kann Ausmaß von Brandverletzungen erheben

Graz (APA) - Schwere Verbrennungen sind nicht nur eine Erkrankung der Haut - sie können durch Austritt von Flüssigkeit ins Gewebe zu Funktio...

Graz (APA) - Schwere Verbrennungen sind nicht nur eine Erkrankung der Haut - sie können durch Austritt von Flüssigkeit ins Gewebe zu Funktionsstörungen von Kreislauf bis hin zum Multiorganversagen führen. Die richtige Bestimmung von Schwere und Flächenausmaß der Verbrennung sind in der präklinischen Versorgung daher essenziell. Dafür haben Grazer Forscher eine Smartphone-Applikation entwickelt.

Die mobile Diagnose-App sei vor allem für Notärzte und Notfallsanitäter gedacht, schilderte der Garzer Verbrennungs-Experte Lars-Peter Kamolz, am Donnerstag im Gespräch mit der APA. Er leitet die klinische Abteilung für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie am Grazer Uniklinikum. Die richtige Abschätzung von schweren Verbrennungen sei schon in der Notversorgung Grundvoraussetzung für die adäquate Behandlung.

Der klinische Alltag zeige, dass es durch die Verwendung der klassischen Abschätzmethoden wie die „Handflächenregel“ oder die „Neunerregel“ immer wieder zu Fehleinschätzungen des Verbrennungsausmaßes komme. „Wie wir in Studien zeigen konnten, ist das kein Problem, dass sich durch Erfahrung wegmachen lässt, auch routinierteste Notfallmediziner verschätzen sich dabei - meistens nach oben“, so Kamolz. Das verfälscht die richtige Dosis bei der bereits präklinisch eingesetzten Infusionstherapie und kann mögliche Spätfolgen mit sich ziehen.

„Uns ging es darum, ein standardisiertes Vorgehen zu finden, das den Notfallmedizinern die Einschätzung erleichtert“, so der Grazer Klinikvorstand. Vor allem ging es darum, von der Hand des Opfers als Referenzobjekt wegzukommen: Die Handfläche des Patienten mit Fingern entspricht etwa einem Prozent der Körperoberfläche. In die App kann die Größe eines beliebigen Referenzobjektes (der Bankomatkarte, des Smartphones, o.Ä. ) und der Wert, wie oft dieses Objekt auf die Brandwunde passt, eingegeben werden. Dieser Wert wird mit Körpergröße und -gewicht des Opfers in Korrelation gebracht, woraus sich das prozentuelle Ausmaß der Verbrennung in Prozent der Gesamtkörperoberfläche ergibt.

„Die Genauigkeit wurde in Kooperation mit dem Grazer Ludwig-Boltzmann-Institut für Klinisch-Forensische Bildgebung überprüft und publiziert. Wir haben die App auch bereits am europäischen Verbrennungskongress und am Grazer Notfallmedizinerkongress vorgestellt“, betonte Kamolz. Unter dem Namen „Rapid Burn Assessor“ ist die App für unterschiedliche Smartphone-Betriebssysteme kostenlos erhältlich.