Petersburger Wirtschaftsgipfel startet im Schatten der Ukraine-Krise

St. Petersburg/Berlin (APA/AFP) - In Abwesenheit zahlreicher Unternehmenschefs hat im russischen St. Petersburg am Donnerstag ein jährliches...

St. Petersburg/Berlin (APA/AFP) - In Abwesenheit zahlreicher Unternehmenschefs hat im russischen St. Petersburg am Donnerstag ein jährliches internationales Wirtschaftsforum begonnen. Wegen der Ukraine-Krise hätten rund 30 Firmenvorstände ihre Teilnahme an dem sonst hochkarätig besetzten Wirtschaftsgipfel abgesagt, berichteten russische Medien.

Der Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses des Deutschen Bundestages, Peter Ramsauer (CSU), bedauerte, dass in diesem Jahr auch viele deutsche Manager nicht in die russische Metropole reisen.

Zwar werden 140 ausländische Unternehmenschefs bei dem dreitägigen Gipfel dabei sein, am Freitag wird auch Russlands Präsident Wladimir Putin nach seiner Rückkehr aus China eine Rede halten. Besondere Aufmerksamkeit liegt in diesem Jahr indes auf den Absagenden. In der russischen Presse wurde etwa auf Siemens-Chef Joe Kaeser verwiesen oder auf die Bosse der US-Banken Morgan Stanley und Citigroup.

„Mir tut, ehrlich gesagt, jede Absage leid“, sagte Ramsauer dem Radiosender MDR. Gerade wegen der Spannungen um die Ukraine sei der Dialog wichtig: „Denn nur durch Reden können Überzeugungen gewonnen werden, können Brücken gebaut werden.“ Er sprach sich auch gegen schärfere EU-Sanktionen gegen Russland aus. Diese seien „pures Gift für die Volkswirtschaften“.

Von einem deutschen Boykott des Wirtschaftsforums kann aus Sicht des Vorsitzenden des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft, Eckhard Cordes, keine Rede sein. Allein E.ON-Chef Johannes Teyssen habe in letzter Minute abgesagt, andere deutsche Konzernchefs hätten sich gar nicht angemeldet, sagte Cordes dem RBB-Inforadio. Er wies Medienberichte zurück, wonach sich auch die US-Regierung und das Kanzleramt eingemischt hätten. „Es gab natürlich aus Washington überhaupt keinen Druck, es gab auch aus Berlin keinen Druck auf uns“, sagte Cordes.

Wirtschaft und Bundesregierung seien sich einig, dass die Ukraine-Krise diplomatisch überwunden werden müsse. Doch wenn dies nicht gelinge, „dann wird die Wirtschaft die Maßnahmen, auch Wirtschaftssanktionen, die die Bundesregierung beschließt, unterstützen“.