Fall Kalinka: Prozess um Entführung von Arzt in Frankreich begonnen

Mulhouse (APA/AFP) - Das Justizdrama um den Tod der 14-jährigen Kalinka in Lindau am Bodensee geht in eine neue Runde. Der leibliche Vater A...

Mulhouse (APA/AFP) - Das Justizdrama um den Tod der 14-jährigen Kalinka in Lindau am Bodensee geht in eine neue Runde. Der leibliche Vater Andre Bamberski musste sich seit Donnerstag in der elsässischen Stadt Mulhouse (Mülhausen) wegen Entführung des Stiefvaters des Mädchens vor Gericht verantworten.

Dem Franzosen wird vorgeworfen, die Verschleppung des deutschen Arztes Dieter K. von Bayern nach Frankreich organisiert zu haben, um den Stiefvater von Kalinka dort vor Gericht zu bringen. Krombach wurde in dem Fall in Frankreich inzwischen wegen vorsätzlicher Körperverletzung mit Todesfolge schuldig gesprochen und sitzt im Gefängnis.

Dem 76-jährigen Bamberski, der K. seit Jahren vorwirft, seine Tochter vergewaltigt und anschließend getötet zu haben, drohen bis zu fünf Jahre Haft wegen Entführung, Freiheitsberaubung und Mithilfe zu vorsätzlicher Gewalt. Der heute 79 Jahre alte K. war am 17. Oktober 2009 aus seinem Wohnort in Bayern verschleppt wurden. Einige Stunden später wurde er nachts gefesselt, geknebelt und mit Verletzungen im Gesicht nahe des Gerichts von Mulhouse aufgefunden.

Die französische Justiz, die jahrelang vergeblich K.s Auslieferung aus Deutschland gefordert hatte, stellte den Arzt vor Gericht. Ende 2011 wurde K. bei Paris der Körperverletzung mit Todesfolge für schuldig befunden und zu 15 Jahren Haft verurteilt. Nach Überzeugung der französischen Justiz hatte er im Juli 1982 der 14 Jahre alten Kalinka ein Schlafmittel verabreicht, woraufhin das Mädchen erstickte. Diese Strafe bestätigte ein Jahr später ein Berufungsgericht.

Im April wies der das höchste Gericht Frankreichs, der Kassationsgerichtshof in Paris, einen Revisionsantrag des Deutschen ab. Für den Vorwurf Bamberskis, K. habe seine Stieftochter sexuell missbraucht und anschließend mit einer Spritze getötet, konnten in den Verfahren in Frankreich fast 30 Jahre nach der Tat keine ausreichenden Beweise vorgelegt werden. Die genauen Umstände des Todes konnten nicht mehr geklärt werden.

In Deutschland waren die Ermittlungen gegen K. 1987 mangels Beweisen eingestellt worden. Die französische Staatsanwaltschaft sprach im Berufungsverfahren von „einer verpfuschten Autopsie und verpfuschter Ermittlungen“ in Deutschland. Zehn Jahre später wurde K. vom Landgericht Kempten aber wegen der Vergewaltigung eines anderen Mädchens in seiner Praxis zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt.

„Kann man einen Vater verurteilen, der seine Pflicht getan hat?“, sagte Bamberskis Anwalt Laurent de Caunes nun vor Beginn der Verhandlung in Mulhouse. Bamberski habe dafür gesorgt, dass K. in Frankreich vor Gericht gestellt wurde.

Der in Paris inhaftierte K., der die ihm zur Last gelegte Tat bestreitet, erschien nicht zu dem Prozess. Seinem Anwalt zufolge ist er gesundheitlich angeschlagen. Die Verhandlung soll bis Freitag dauern. Ob dann schon das Urteil verkündet wird, war zunächst unklar.