Kriegsverbrechenprozess im Kosovo in Abwesenheit von drei Angeklagten

Pristina (Prishtina) (APA) - Vor einem Gericht in Nord-Mitrovica im mehrheitlich von Serben bewohnten Nordkosovo hat am Donnerstag in Abwese...

Pristina (Prishtina) (APA) - Vor einem Gericht in Nord-Mitrovica im mehrheitlich von Serben bewohnten Nordkosovo hat am Donnerstag in Abwesenheit von drei Angeklagten ein Prozess gegen die sogenannte Drenica-Gruppe begonnen. Ihr werden Kriegsverbrechen angelastet.

Die Gruppe, zu der auch der heutige kosovarische Botschafter in Tirana, Sylejman Selimi, gehörte, wurde im Vorjahr angeklagt. Ihre Mitglieder sollen im Sommer 1998 im Gefangenenlager Likovc der Kosovo-Befreiungsarmee (UCK), die für die Abspaltung von Serbien kämpfte, Zivilisten gefoltert und ermordet haben.

Für Aufsehen sorgte vor Prozessbeginn die Flucht von drei Angeklagten, die sich am Dienstag aus dem Krankenhaus in Prishtina absetzten. Darunter ist auch der Bürgermeister von Skenderaj, Sami Lushtaku. Das kosovarische Justizministerium wies am Mittwoch jede Verantwortung zurück: Die Befugnisse im Fall der Drenica-Gruppe liege ausschließlich bei der EU-Rechtsstaatsmission EULEX, die dem Kosovo beim Aufbau von Justiz und Polizei hilft, hieß es.

Medien brachten die Flucht mit der Entscheidung des zuständigen EULEX-Richters in Verbindung, sieben Angeklagte, darunter Lushtaku, aus einem Gefängnis im westkosovarischen Dubrava vor Prozessbeginn nach Nord-Mitrovica zu verlegen. Lushtaku, der zusammen mit zwei weiteren Angeklagten zuletzt zur Behandlung im Spital war, lehnte nach Angaben seines Anwaltes die Verlegung ab und bemühte sich darum, dass der Prozess in Prishtina abgehalten wird. Es könne keine Verhandlungen über die Rechtsstaatlichkeit geben, welche die Grundlage jeder demokratischen Gesellschaft darstelle, teilte die EULEX-Mission dazu am Donnerstag mit.