Papstbesuch in Nahost - Religionsstreit um den Abendmahlsaal

Jerusalem/Vatikanstadt (APA/AFP) - Ein sakrales Bauwerk am Gipfel des Bergs Zion ist im Fokus der Konflikte in Jerusalem - wieder virulent v...

Jerusalem/Vatikanstadt (APA/AFP) - Ein sakrales Bauwerk am Gipfel des Bergs Zion ist im Fokus der Konflikte in Jerusalem - wieder virulent vor dem Papstbesuch am Wochenende. Christen glauben, dass Jesus an diesem Ort das letze Abendmahl mit seinen Jüngern einnahm. Die Juden beten dort am vermuteten Grab des biblischen Königs David. Muslime bauten hier im 16. Jahrhundert eine Moschee zu Ehren Davids, den sie als Prophet achten.

Papst Franziskus wird im Abendmahlsaal (lateinisch Coenaculum), der das erste Stockwerk einnimmt, zum Abschluss seiner Reise ins heilige Land am 26. Mai eine Messe feiern. Fanatische nationalreligiöse Juden verstärken vor dem Papstbesuch den Widerstand gegen Pläne, den Christen mehr Nutzungsmöglichkeiten zu gewähren. Bisher dürfen sie an ihrer zweitheiligsten Stätte nach der Grabeskirche nur am Gründonnerstag und Pfingstsonntag Liturgien feiern.

Obwohl die Altertumsforschung Davids Grab einige Kilometer weiter östlich vermutet, war dieser Ort nach 1948 - der Staatsgründung Israels und dem Exodus eines Großteils der arabischen Bevölkerung - zu einer wichtigen Pilgerstätte der Juden geworden, weil der Berg Zion zugänglich blieb - im Gegensatz zur Klagemauer und zu anderen, bedeutenderen Stätten des Judentums, die Israel allerdings im Sechstagekrieg 1967 mit dem Westjordanland von den Jordaniern eroberte.