Lanxess kündigt Aktionären lange Durststrecke an

Köln/Leverkusen (APA/Reuters) - Der deutsche Chemiekonzern Lanxess stimmt seine Aktionäre auf harte Zeiten ein. Der neue Vorstandschef Matth...

Köln/Leverkusen (APA/Reuters) - Der deutsche Chemiekonzern Lanxess stimmt seine Aktionäre auf harte Zeiten ein. Der neue Vorstandschef Matthias Zachert stellte am Donnerstag auf der Hauptversammlung in Köln den rund 1500 anwesenden Anteilseignern Eckpunkte seines geplanten Sanierungskurses vor. Alle arbeiteten hart daran, den Konzern wieder auf Spur zu bringen, sagte Zachert, der am 1. April das Ruder beim Dax-Konzern übernahm.

„Aber bitte seien Sie daran erinnert: Die kommenden zwei drei Jahre werden steinig werden“, sagte der Manager. 430 Mio. Euro frisches Geld für den Sanierungskurs besorgte sich Zachert bereits über eine Kapitalerhöhung. Er kündigte an, die Investitionen in den nächsten Jahren deutlich zu senken. Auch die Verwaltung soll gestrafft werden, Anlagen- oder sogar Betriebsschließungen werden geprüft.

Lanxess ist der weltgrößte Produzent von synthetischem Kautschuk für die Auto- und Reifenindustrie. Überkapazitäten, der Preisverfall auf den Kautschukmärkten und neue Wettbewerber hatten dem Unternehmen zuletzt schwer zu schaffen gemacht. Zacherts Vorgänger im Chefsessel, Axel Heitmann, hatte es nicht geschafft, die starke Abhängigkeit von der Auto- und Reifenbranche zu verringern. Heitmann hatte lediglich von einer Wachstumsdelle gesprochen.

Fondsmanager und Aktionärsvertreter sparten nicht mit Kritik. „Statt der Wachstumsdelle stehen wir jetzt an einem Kraterrand vor einem Riesenloch“, sagte Jella Benner-Heinacher von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Lanxess war 2013 wegen fallender Preise, hoher Abschreibungen und geringer Auslastung der Anlagen tief in die Verlustzone gerutscht. Unter dem Strich stand ein Minus von 159 Mio. Euro nach einem Gewinn von 508 Mio. Euro 2012. „Warum konnte diese Entwicklung nicht früher erkannt werden?“, fragte Alexander Elsmann von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Christoph Ohme, Fondsmanager bei der Deutsche Asset & Wealth Management, kritisierte den hohen Mittelabfluss im Konzern. „Lanxess hat in den vergangenen Jahren extrem viel investiert“, bemängelte Ohme. Im Vergleich zum Chemiesektor sei die Quote sehr hoch gewesen.

Zachert will jetzt gegensteuern und die Investitionen deutlich drosseln. Das werde sich allerdings erst ab 2015 in den Zahlen niederschlagen, sagte Zachert. „Im laufenden Jahr können wir unsere Investitionen nicht signifikant senken.“ Die großen Projekte zum Ausbau der Kautschukwerke in China und Singapur seien bereits weit fortgeschritten. 2014 plant der Dax-Konzern Investitionen auf Vorjahresniveau von rund 625 Mio. Euro. „2015 planen wir aber, deutlich unter 600 Millionen Euro zu investieren“, sagte Zachert. 2016 sollen die Investitionen dann zwischen 400 und 450 Mio. Euro liegen.

Konkrete Angaben zu den anstehenden Sanierungsschritten machte Lanxess den Aktionären nicht. Frühestens im September will Zachert Einzelheiten nennen. Klar ist aber, dass in der Kölner Zentrale Stellen gestrichen werden. Auch könnten einige Anlagen zeitweise stillgelegt und sogar Betriebe geschlossen werden. Die Profitabilität aller Standorte werde geprüft, sagte Zachert. Auch mit einem Tabu seines Vorgängers bricht der gebürtige Bonner: Lanxess schließt inzwischen die Gründung von Joint Ventures nicht mehr aus. „Auch das ist eine Option, die wir gegebenenfalls für einzelne Geschäftsfelder abwägen werden“, sagte Zachert.

Die Konzernprognosen für dieses Jahr bekräftigte der neue Lanxess-Chef. Das Chemieunternehmen will dieses Jahr seinen um Sondereinflüsse bereinigten operative Gewinn (Ebitda) auf 770 bis 830 (2013: 735) Mio. Euro erhöhen. Für das zweite Quartal stellte Zachert einen bereinigten operativen Gewinn von 220 bis 240 Mio. Euro in Aussicht nach 198 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum.

~ ISIN DE0005470405 ~ APA420 2014-05-22/14:19