Innsbruck

91-jähriger Innsbrucker Tenor: „Singe, bis ich umfalle“

Alois Höfer brennt auch mit 91 noch für das Singen. Im Gespräch mit Markus Schramek blickt er zurück auf seine Chorkarriere.Fotos: Daniel Liebl
© thomas boehm

Alois Höfer verfügt trotz reiferen Alters über eine beneidenswerte Tenorstimme. Der Innsbrucker denkt auch nach 80 Jahren Gesang nicht ans Aufhören. Pradls Kirchenchor darf sich freuen.

Von Markus Schramek

Innsbruck –Tenor in einem Chor – das ist im sangesfreudigen Tirol keine allzu seltene Spezies. Auch Alois Höfer fühlt sich in dieser Stimmlage, der höheren der Männer, als Sänger zu Hause. Doch die biografischen Daten des rüstigen Herren aus Innsbruck versetzen in Staunen.

Höfer ist Jahrgang 1923. Seit 50 Jahren ist er Mitglied des Pradler Kirchenchors. Famos ist immer noch sein Stimm- umfang. „Bis zum hohen f schaffe ich es meistens, an guten Tagen geht aber auch das hohe g noch mit der Bruststimme“, erzählt der 91-Jährige dem Verfasser dieser Zeilen (der ist selbst Chormitglied, etwas jünger, von derartigen sängerischen Leistungen aber meilenweit entfernt).

Höfer hat den Rapoldipark als Treffpunkt vorgeschlagen. In Steinwurfweite steht die Pradler Kirche. Hier hat er unzählige Gottesdienste mit dem Chor begleitet. Auch sein Zuhause ist nahe. Höfer ist nicht nur gesanglich standorttreu: Seit 1956 lebt er in derselben Wohnung.

Den Spaß an der Musik hat sich der freundliche Herr von seinem Vater abgeschaut: „Er hat immer mit uns gesungen.“ Höfer junior startete dann mit zehn seine Chorkarriere. Er war dermaßen mit Talent gesegnet, dass er zeitweise gleich in vier Gesangsgemeinschaften engagiert war. Heute sind es noch zwei. Neben dem Pradler Chor singt er im Wiltener Männerchor.

Klassische Kirchenmusik, Bruckner, Mozart und Beethoven schätzt er besonders. Viele der gar nicht einfachen sakralen Werke kann er längst auswendig. Doch der Ehrgeiz lebt. „Manchmal würde ich mir etwas anspruchsvollere Stücke wünschen“, betont der Tenor nicht nur einmal.

Der Sänger hat vor Jahrzehnten seine Frau kennen gelernt – natürlich im Kirchenchor. Es soll ja öfter vorkommen, dass es unter den Mitgliedern eines gemischten Gesangsvereins funkt. Auch Frau Höfer ist heute noch, an der Seite ihres Mannes, bei den Pradler Sängern aktiv.

Die Kinder der Höfers setzten die Tradition zunächst fort. Beide Söhne durchliefen die Ausbildung bei den Wiltener Sängerknaben. Das war zu viel des Guten, befindet der Pensionist rückblickend: „Die Buben sind verbraucht worden.“ Zu viele Proben, Auftritte und Reisen. Nach dem Stimmbruch war folglich Schluss mit dem Singen.

Keinen der männlichen Nachkommen der Familie Höfer hat es seit der frühen Jugend wieder zu einem Chor hingezogen. Man hört gut das Bedauern in des Vaters Stimme. Einzig Höfers Tochter, eine Ärztin, die ihren Papa auch medizinisch betreut, ist dem Chorgesang treu geblieben. „Mein Söhne haben dagegen den Sport als Ausgleich entdeckt“, berichtet Höfer.

Beruflich hat er sich als akademischer Maler einen Namen gemacht. Er wirkte bei der Restaurierung von Tiroler Kirchen mit und arbeitete viel für das Bundesdenkmalamt.

„Das Malen ist dem Singen ähnlich“, sieht der Künstler Parallelen. „Bei beiden Tätigkeiten schwinden momentane Belastungen, man fühlt sich befreit und geht aus sich heraus.“ Es sind starke Gefühle, die Höfer mit der Musik in Verbindung bringt.

Bis vor wenigen Jahren war der Gesangsfreund noch eifrig in den heimatlichen Tiroler Bergen unterwegs. Dann tauchten Gelenks- und Knieprobleme auf. Ein Stock verleiht ihm seither beim Gehen die nötige Sicherheit.

Höfer ist aber weit davon entfernt, sich über die Einschränkung der Mobilität zu beklagen. „Es gibt Menschen, die mit 50 einen Schlaganfall erleiden und nicht mehr sprechen können.“ Er sei dankbar für seinen Gesundheitszustand. Dieser sei ein Geschenk, genau so wie seine Musikalität. „Und Wanderungen von zwei, drei Stunden sind immer noch möglich.“

Wie lange er dem Chorgesang noch frönen wird? Diese Frage quittiert der Langzeittenor mit einem milden Lächeln. „Ich werde so lange singen, bis ich umfalle“, sagt er dann bestimmt. Er könne gar nicht anders. Ein Leben ohne Musik sei schlicht nicht vorstellbar. „Außerdem hat der Herr Pfarrer gesagt, dass der Chor gleich zusperren kann, wenn der Höfer Luis nicht mehr mitsingt.“ Ein größeres Lob aus berufenem Munde kann es für einen Sänger wohl kaum geben.

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