Moser-Holding-Chef

Petz: Abschaffen der Foren-Anonymität „keinesfalls totalitär“

Dadurch, dass sich die Forum-Teilnehmer bei TT Online registrieren müssen, gebe es „echte Diskussionen“, so der Vorstandschef der Moser Holding.

Wien - „Keinesfalls totalitär“ ist aus der Sicht von Moser Holding-Chef Hermann Petz das Abschaffen der Anonymität in Online-Foren. Ein entsprechendes Registrierungssystem bei Tiroler Tageszeitung Online zeige seit 2011, dass die Diskussionskultur davon profitiere. Die APA sprach mit Petz neben dem von Kommunikationsberater Wolfgang Rosam neu befeuerten Thema auch über zukünftige Vorhaben der TT.

„Es hat mich gestört, dass völlig anonym die wildesten Beschimpfungen stattfanden“, resümierte Petz die Beweggründe für den Schritt vor drei Jahren. Seitdem müssen sich alle Forum-Teilnehmer der TT auf der Webseite registrieren. Bei Kommentaren von Abonnenten werden grundsätzlich ihre echten Namen bei Postings verwendet, sie können sich aber auch für einen Nickname entscheiden. Ihre Postings werden automatisch freigeschaltet und erst nachträglich überprüft. Bei Beiträgen von weiteren TT-Usern, die über eine aktive Mailadresse verfügen müssen, passiere diese inhaltliche Überprüfung bereits im Vorfeld, wobei den Nutzern nahegelegt wird, ihren echten Namen zu verwenden.

Posting-Regeln als Anleitung für respektvollen Umgang

Als Anleitung für das Zusammenleben im digitalen TT-Forum dienen allgemeine Posting-Regeln, die etwa zum respektvollen Umgang mahnen, während man von Diskriminierungen und Beleidigungen Abstand nehmen sollte. Im Falle eines Verstoßes ist das Löschen des jeweiligen Kommentars vorgesehen, in weiterer Folge kann es auch zu einer Sperre des Zugangs zur Posting-Funktion kommen. „Wenn man möchte, ist dieses System ganz einfach einzuführen“, war sich Petz sicher. „Man hat dann halt nicht mehr dieses Auditorium der Kampfposter.“

TT Online hat durch die Einführung im ersten Moment etwa 50 Prozent beim Posting-Aufkommen eingebüßt. Aktuell sind Abonnenten für 17 Prozent des Postingaufkommens verantwortlich, weitere 14 Prozent stammen von Facebook-Usern. Nun finde „eine echte Diskussion statt“, wie Petz unterstrich. Die Argumentation, dass gerade die Anonymität in Online-Foren für den Austausch befruchtend oder gar notwendig sei, kann er nicht nachvollziehen. „Das geht ins Leere. Es kann nicht Sinn sein, dass ich jemanden hemmungslos beschimpfe. Das ist ein Rückschritt für jede inhaltliche Debatte. Ich weiß nicht, warum wir das akzeptieren sollten.“

Hohes Engagement via Facebook

Die manuelle Überprüfung obliegt der Online-Redaktion. „Das war damals natürlich erklärungsbedürftig, wir waren ja unter den Ersten, die das gemacht haben“, erinnerte sich der Moser Holding-Vorstandschef. Letztlich wurde das System aber positiv aufgenommen. Mittlerweile verzeichne man gerade bei Facebook, wo ebenfalls Artikel gepostet werden, ein hohes Engagement der User. Redakteure müssen dort rasch auf Postings reagieren, was durchschnittlich innerhalb einer Stunde gelinge und zu einem konstruktiven Austausch führe.

Optimistisch zeigte sich Petz, wenn es um die österreichweite Einführung entsprechender Foren-Systeme geht. „Ich glaube, in einem Jahr wird es anders ausschauen als derzeit.“ Zuversichtlich hat ihn diesbezüglich neben Rosams Privatinitiative „Die Meinungsmutigen“ auch die jüngste Ankündigung von Österreich-Herausgeber Wolfgang Fellner gestimmt. Und auch beim Platzhirschen in punkto Online-Community, Der Standard, könne er sich ein Umdenken vorstellen. „Wenn sie als einzige übrig bleiben, werden sie es sich überlegen.“

Die Bildung einer Gemeinschaft hat sich die Tiroler Tageszeitung indes selbst auf die Fahnen geschrieben. Gelingen soll dies mit dem TT-Club, der „viele Einkaufs- und Eventvorteile“ beinhaltet. Die Zusatzleistung zum Abo sei ein wesentlicher Bestandteil der künftigen Strategie, wobei die „Seriosität der Marke ‚Tiroler Tageszeitung‘“ hier als Zugpferd diene. Bedient werden soll dies auch über www.meins.at , die neu gestartete Flohmarkt-Plattform. In den kommenden Monaten werde man hier weitere Angebote lancieren, betonte Petz.

Regionalität im Fokus

Im Fokus steht dabei die Regionalität: „95 Prozent der Menschen verbringen 95 Prozent ihrer Zeit in einem Umkreis von 25 Kilometern“, rechnete Petz vor. „Und es gibt deshalb viel Potenzial für regionale Märkte und spezifische regionale Angebote.“ Der Journalismus soll dabei aber nicht zur Nebensache werden. „Das ist unsere zentrale Daseinsberechtigung, sonst könnte es ja irgendein Club sein.“ Zusätzlich biete sich aber „die Chance, mit weiteren Portalen einen relevanten regionalen Markt zu sichern“. Letztlich bleibt auch eine Paywall Thema, nämlich dann, wenn Userzugriffe von Clubmitgliedern eine kritische Größe überschreiten. (APA)

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