Kosten für Regelenergie gestiegen, Kritik von IG Windkraft

Wien (APA) - Die Kosten für Ausgleichs- und Regelenergie, die für die Stabilisierung der Netze nötig ist, sind 2013 um fast 10 Prozent auf m...

Wien (APA) - Die Kosten für Ausgleichs- und Regelenergie, die für die Stabilisierung der Netze nötig ist, sind 2013 um fast 10 Prozent auf mehr als 170 Mio. Euro gestiegen. Über die Ursachen haben E-Control und IG Windkraft teilweise unterschiedliche Ansichten, einig ist man sich, dass die Kosten sinken müssen.

Die IG Windkraft kritisiert die hohen Ausgleichsenergiekosten und sieht die Erneuerbaren-Stromerzeuger unverhältnismäßig hoch belastet. Gegenüber 2011 seien die Kosten von 90 auf 170 Mio. Euro gestiegen, „eine Kostensenkung ist noch immer nicht in Sicht“, so IG-Windkraft-Geschäftsführer Stefan Moidl heute in einer Pressemitteilung. Die Kosten seien auch im internationalen Vergleich hoch. Es sei „höchst überfällig, das System massiv weiterzuentwickeln“.

E-Control-Vorstand Martin Graf weist in einer Pressemitteilung auf eine Systemumstellung im Jahr 2012 hin, ein direkter Vergleich der Kosten vor der Systemumstellung mit den jetzigen Zahlen hinke. Im ersten Quartal seien die Kosten noch einmal gestiegen, zuletzt hätten die gesetzten Maßnahmen aber Wirkung gezeigt. Die Preise für Regelleistung seien gefallen „und liegen teils auch unter dem deutschen Niveau“.

Laut laut einer heute präsentierten von der IG Windkraft in Auftrag gegebenen e3-Consult-Studie entfallen 80 Prozent der Kosten der Ausgleichsenergiezahlung für Energie zwischen den einzelnen Bilanzgruppen (Clearinggpreis 1 und 2) von 50,5 Mio. Euro auf die Ökostrombilanzgruppe, verursacht würden von ihr aber nur 25 Prozent der Ausgleichsenergiemengen. Die wenigen Teilnehmer des Regelenergiemarktes, die klassischen Energieerzeuger, rieben sich die Hände, „denn zu ihnen fließen die zusätzlichen knapp 80 Mio. Euro“, so die IG Windkraft. „Es ist unerträglich, dass die Erneuerbaren, wie die Windenergie, wenigen klassischen Energieversorgern zu einem Körberlgeld verhelfen, während die gestiegenen Kosten die Windkraftbetreiber beinahe in den Ruin treiben“, erklärt Moidl laut Pressemitteilung.

Mittlerweile seien die gesamten Belastungen auf 50 Prozent des Strommarktpreises angestiegen und lägen zwischen 1,6 und 1,7 Cent pro Kilowattstunde (kWh). Die Einspeisetarife für Windstrom liegen heuer für neu eingereichte Anlagen bei 9,36 Cent/kWh, für 2015 bei 9,27 Cent/kWh. Aus dem Förderregime ausgeschieden sind laut IG Windkraft Kapazitäten von 165 MW, insgesamt waren Ende 2013 fast 1.700 MW installiert.

Die Gesamtkosten von 170 Mio. Euro teilen sich laut E-Control im Wesentlichen zu 78 Prozent die Stromerzeuger mit einer installierten Leistung von mehr als 5 Megawatt (MW) und zu 22 Prozent die Lieferanten. Bereitgestellt wird die Regelenergie von fünf Unternehmen in Österreich.

Als Gründe für die höheren Kosten nennt E-Control-Vorstand Graf einerseits einen höheren Mengenbedarf, unter anderem auch wegen der volatilen Windkrafterzeugung, sowie höhere Preise. Mehr Teilnehmer etwa aus der Industrie könnten den Wettbewerb erhöhen und damit die Preise senken. Der Eintritt in den Markt werde durch gezielte Maßnahmen erleichtert. Derzeit biete erst ein Industrieunternehmen am Regelreservemarkt an. Kostendämpfend wirkten auch internationale Kooperationen mit den Nachbarländern wie etwa der Schweiz und Slowenien. Man sei gerade dabei, den Regelenergiemarkt mit Deutschland zu harmonisieren. Positiv auswirken würde sich auch eine höhere Prognosegenauigkeit, dies liege aber in der Verantwortung der Ökostromabwicklungsstelle OeMAG.

Jürgen Neubarth, Autor der Studie „Ausgleichsenergiekosten der Ökostrombilanzgruppe für Windkraftanlagen“, sieht bei der Bewirtschaftung der Ökostrombilanzgruppe noch ein erhebliches Effizienz- und damit Kosteneinsparungspotenzial, wie es in der heutigen Pressemitteilung heißt. So werde in Europa in Bilanzgruppen mit ähnlich hohen Windanteilen im Intra-Day-Markt gehandelt. Für Moidl ist daher unverständlich, „warum die OeMAG ausschließlich im Day-Ahead-Markt handeln muss und damit die Ausgleichsenergiekosten in die Höhe treibt.“ Auch mit verbesserten Ertragsprognosen der OeMAG könnten die Ausgleichsenergiemengen und damit die Kosten verringert werden.