Vietnam nennt Streit mit China Gefahr für Weltwirtschaft

Ho-Chi-Minh-Stadt (Saigon)/Peking/Manila (APA/Reuters) - Vietnam hat vor einem globalen wirtschaftlichen Schaden infolge des Streits über Ho...

Ho-Chi-Minh-Stadt (Saigon)/Peking/Manila (APA/Reuters) - Vietnam hat vor einem globalen wirtschaftlichen Schaden infolge des Streits über Hoheitsrechte im Südchinesischen Meer gewarnt. Ministerpräsident Nguyen Tan Dung verwies am Donnerstag in Manila darauf, dass über die umstrittenen Gewässer Zweidrittel des Welthandels abgewickelt würden.

Durch das Risiko eines Konflikts würde dieser gewaltige Warenfluss gestört mit unvorhersehbaren Folgen für die Volkswirtschaften der Region, aber auch weltweit. „Das könnte sogar den Trend einer globalen wirtschaftlichen Erholung umkehren“, sagte der Regierungschef auf dem Weltwirtschaftsforum zu Ostasien. In einem Reuters-Interview drohte er zugleich China erstmals mit rechtlichen Schritten, weil die Volksrepublik eine Ölplattform in einem Gebiet des Südchinesischen Meers errichtet hat, das von Vietnam beansprucht wird.

Sein Land prüfe mehrere „Optionen der Verteidigung“, führte Dung in einer schriftlichen Antwort auf Fragen der Nachrichtenagentur Reuters aus. Dazu gehöre auch eine Klage im Rahmen internationalen Rechtes. Welche anderen Möglichkeiten er sieht, ließ der Regierungschef offen. „Ich möchte betonten, dass Vietnam seine Souveränität und seine legitimen Interessen entschieden verteidigen wird.“ Die territoriale Souveränität sei unantastbar, das gelte auch für Inseln und Hoheitsgewässer.

Chinas Außenministeriumssprecher Hong Lei warf Vietnam in Peking vor, „unverantwortliche Vorwürfe“ gegen die Volksrepublik zu erheben. Die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen beiden Ländern sind durch die Errichtung der Ölplattform belastet wie lange nicht mehr seit Ende des kurzen Grenzkrieges von 1979. Vor kurzem kam es Vietnam zu schweren anti-chinesischen Protesten. Tausende Vietnamesen stürmten in mehreren Industriezonen des Landes ausländische Firmen und steckten Gebäude in Brand. Mehr als 20 Menschen kamen ums Leben.

Ende März hatten bereits die Philippinen den Streit mit China um Hoheitsgewässer im Südchinesischen Meer vor das Schiedsgericht in Den Haag gebracht. China hat sich allerdings geweigert, an der Verhandlung teilzunehmen, und die Regierung in Manila gewarnt, die Beziehungen beider Staaten zueinander könnten schwer belastet werden.