Jerusalem

Papst in Nahost: Der Heilige Vater als Sicherheitsproblem

Papst Franziskus.
© Schaadfoto

Papst Franziskus besucht Israel – und bereitet seinen Personenschützern dabei gehöriges Kopfzerbrechen.

von Jonah Mandel/AFP

Vatikanstadt – Die erste Reise von Papst Franziskus ins Heilige Land bereitet den Sicherheitskräften großes Kopfzerbrechen. In dieser regionalen Brutstätte von religiösem Extremismus jeglicher Richtung gilt das römisch-katholische Kirchenoberhaupt schon von Amts wegen als Hochrisikoperson. Sein Hang zu spontanen Gesprächen mit Menschen treibt Sicherheitsleuten regelmäßig den Adrenalinspiegel in die Höhe.

Dass Papst Franziskus gerne spontan seinem Bestreben nachkommt, den direkten Kontakt zu den Gläubigen zu pflegen, hat seine Personenschützer schon mehrfach fassungslos gemacht. Während in Amman und Bethlehem Fahrten im offenen Fahrzeug angekündigt sind, könnte die Jerusalemer Altstadt stellenweise einer Geisterstadt gleichen.

Jordanien möchte zeigen, dass es „Hort der Stabilität in einer Krisenregion ist“, erklärt auf Anfrage ein ranghoher Sicherheitsbeamter in der Hauptstadt Amman. Außer der Königsgarde werden am Samstag 500 weitere Personenschützer den päpstlichen Aufenthalt absichern. Seinem Wunsch entsprechend wird Franziskus in einem offenen Geländewagen im Stadion von Amman zum Altar fahren, wo er eine Messe zelebriert.

Mit dem Hubschrauber nach Betlehem

Wenn das Oberhaupt von weltweit 1,2 Milliarden Katholiken Sonntagmorgen mit dem Hubschrauber in Bethlehem eintrifft, übernehmen palästinensische Polizei und Präsidentengarde seinen Schutz. „Wir werden alles tun, damit dem Papst nichts zustößt, er sich bei uns zugleich wohlfühlt und die Möglichkeit hat, allen seine Botschaft zu verkünden“, sagt Adnan Damiri, Sprecher der palästinensischen Sicherheitsdienste.

Wie viele Beamte genau aufgeboten werden, will er nicht sagen, aber es seien „mehr als genug“. Im Einsatz ist dabei auch eine aus jungen Frauen gebildete Einheit der Präsidentengarde. Vom Präsidentenpalast zum Krippenplatz an der Geburtskirche, wo der Papst einen weiteren Gottesdienst unter freiem Himmel feiern wird, fährt er ebenfalls in einem offenen Fahrzeug.

Mehr als 8000 Polizeibeamte in Jerusalem

In Jerusalem legt Franziskus bei einem wahren Terminmarathon sehr viele kurze Wege zurück. Hier haben die Polizeikräfte ihre Maßnahmen eng mit dem Inlandsgeheimdienst Shin Bet und den italienischen Personenschützern koordiniert, die das Kirchenoberhaupt begleiten. „Mehr als 8.000 Polizisten werden von Zivilbeamten und Hubschraubern unterstützt“, erklärt Polizeisprecher Micky Rosenfeld. Auch die permanent in der Altstadt angebrachten 320 Beobachtungskameras seien von großem Vorteil.

Nach einer Welle von Angriffen jüdischer Rechtsextremisten auf christliche Einrichtungen hat die Polizei ihre Präsenz dort schon in den letzten Wochen verstärkt. „Die Extremisten werden keine Chance haben, den Erfolg der Papstreise zu schmälern“, versicherte am Sonntag Israels oberster Polizeichef Jochanan Danino.

Mit einem Anflug von Ironie kommentiert das Oberhaupt der Katholiken im Heiligen Land, der Lateinische Patriarch Fouad Twal: „Wir müssen nicht um die Sicherheit fürchten; Israel verpasst uns davon die notwendige Dosis, um nicht zu sagen eine Überdosis.“ Als Vertreter der arabisch-christlichen Einwohner der Altstadt wegen der angekündigten Straßen- und Ausgangssperren die Sorge vortrugen, Franziskus werde in den Gassen nur noch von Katzen willkommen geheißen, antwortete ihnen ein israelischer Sicherheitsbeamter: „Draußen wird es auch keine einzige Katze geben.“

Hass-Graffiti von radikalen Siedlern

Israel hat jedenfalls vier rechtsgerichteten Extremisten für die Zeit des Papst-Besuches das Betreten der Altstadt von Jerusalem untersagt. Es handle sich um Jugendliche und Erwachsene, bestätigte Polizeisprecher Micky Rosenfeld am Donnerstag auf Anfrage. Sie hätten sich auch von anderen Orten, die der Papst in Israel besucht, fernzuhalten. In den vergangenen Monaten hatten radikale Mitglieder der Siedlerbewegung mit Hass-Graffiti unter anderem an kirchlichen Einrichtungen für Aufsehen gesorgt.

Auch der israelische Tourismusminister Uzi Landau betonte, solche Schmierereien würden Israel „beschämen“. Er hoffe, dass die Polizei in Zukunft noch erfolgreicher bei der Bekämpfung solcher Taten sein werde, sagte er der Nachrichtenagentur dpa.

Der höchste Vertreter des Vatikans in Israel, Patriarch Twal, hatte die Hass-Angriffe vor kurzem scharf kritisiert. Sie vergifteten die Atmosphäre, sagte er. Papst Franziskus besucht von Samstag bis Montag Jordanien, die palästinensischen Autonomiegebiete und Israel. (APA/AFP/dpa)

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