USA verstärken Suche nach entführten Schülerinnen in Nigeria

Abuja (APA/AFP) - Vor dem Hintergrund einer Welle von Gewalt durch die Islamistengruppe Boko Haram weiten die USA ihre militärische Unterstü...

Abuja (APA/AFP) - Vor dem Hintergrund einer Welle von Gewalt durch die Islamistengruppe Boko Haram weiten die USA ihre militärische Unterstützung für die Suche nach den in Nigeria verschleppten Schülerinnen aus. Bei einem Angriff auf ein Dorf töteten Kämpfer der Sekte erneut zahlreiche Zivilisten, wie am Donnerstag bekannt wurde.

US-Präsident Barack Obama kündigte am Mittwoch (Ortszeit) in einem Schreiben an den Kongress an, 80 Soldaten seien für Aufklärungseinsätze ins Nachbarland Tschad verlegt worden. Sie würden „Geheimdienst- und Überwachungseinsätze sowie Aufklärungsflüge im Norden Nigerias und den umliegenden Regionen“ vornehmen, schrieb Obama. Sie würden dabei eine unbewaffnete Drohne einsetzen, die ebenfalls in den Tschad verlegt worden sei, präzisierte ein Sprecher des Pentagon. Laut Obama sollen die Kräfte im Tschad bleiben, „bis ihre Unterstützung bei der Beendigung der Entführung nicht länger benötigt wird“.

Vergangene Woche hatte das Pentagon bestätigt, dass das US-Militär eine Drohne vom Typ Global Hawk und ein Turbopropflugzeug MC-12 für Aufklärungsflüge in der Region einsetzt. Washington berät die Regierung Nigerias außerdem mit einem Expertenteam, das sich aus Militärangehörigen des US-Regionalkommandos für Afrika (AFRICOM), FBI-Polizisten sowie Mitarbeitern des Außenministeriums und der US-Entwicklungshilfebehörde USAID zusammensetzt. Auch Frankreich, Großbritannien und zuletzt Israel haben Experten nach Nigeria entsandt.

Boko Haram hat sich zu der Entführung von fast 300 Schulmädchen in der nordnigerianischen Stadt Chibok am 14. April bekannt. Während einigen der Schülerinnen die Flucht gelang, befinden sich noch immer 223 Mädchen in der Gewalt der Entführer.

Nigerias Präsident Goodluck Jonathan hatte vergangene Woche ausgeschlossen, in einen von den Islamisten geforderten Gefangenenaustausch einzuwilligen. Am Donnerstag kündigten Demonstranten einen Protestmarsch zur Residenz des Staatschefs in der Hauptstadt Abuja an, um ihrer Forderung nach einem stärkeren Engagement der Regierung bei der Suche nach den Mädchen Nachdruck zu verleihen. Bereits in den vergangenen Wochen hatte die Entführung wütende Angehörige und ihre Unterstützer auf die Straße getrieben.

In der vergangenen Woche hatte Boko Haram ihre Gewaltakte in dem bevölkerungsreichsten afrikanischen Staat ausgeweitet, allein in den vergangenen Tagen wurden täglich tödliche Angriffe oder Anschläge verübt. Am Mittwoch griffen laut Augenzeugenberichten Kämpfer das Dorf Chukongudo am Ufer des Tschadsees an. Sie erschossen demnach 25 Dorfbewohner und setzten mehr als 300 Hütten in Brand. Das ganze Dorf sei niedergebrannt. Bereits am Montag und Dienstag waren bei zwei Angriffen der Islamisten nahe Chibok laut Augenzeugen etwa 30 Menschen getötet worden. In der zentralnigerianischen Stadt Jos wurden am Dienstag durch zwei im Abstand von 20 Minuten gezündete Bomben mindestens 118 Menschen getötet.

Die Boko-Haram-Extremisten werden auch als Taliban Nigerias bezeichnet, der Name der Organisation bedeutet übersetzt etwa „westliche Bildung ist Sünde.“ Seit 2009 verübt die Gruppe immer wieder Anschläge auf Polizei, Armee und Behörden, aber auch auf Kirchen und Schulen. Allein in diesem Jahr wurden fast 2.000 Menschen bei Angriffen der Gruppe getötet. Boko Haram kämpft für einen islamistischen Staat im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias. Die US-Regierung setzte die Gruppe im November 2013 auf ihre Liste „ausländischer Terrororganisationen“.

(NEU: Protestmarsch zur Residenz von Präsident Jonathan geplant)