IEA-Experte: Gasdeal Russland-China ohne Effekte auf EU-Lieferungen

Wien (APA) - Das Gasabkommen zwischen Russland und China hat laut Laszlo Varro, Leiter der Strom-, Gas- und Kohle-Abteilung der Internationa...

Wien (APA) - Das Gasabkommen zwischen Russland und China hat laut Laszlo Varro, Leiter der Strom-, Gas- und Kohle-Abteilung der Internationalen Energieagentur (IEA) keine Auswirkungen für die künftigen russischen Gaslieferungen nach Europa. „Das für die chinesischen Exporte bestimmte Russengas wäre nie nach Europa gekommen“, so Varro heute laut Pressemitteilung bei einer Veranstaltung der E-Control.

„China bekommt völlig neues russisches Gas.“ Das für Europa bestimmte Gas bleibe davon unberührt. In Europa werde Russland auch die nächsten Jahrzehnte der größte Gaslieferant sein.

Der IEA-Experte sieht das Abkommen auch für Europa positiv: „Der China-Deal ist gut für die EU.“ Da China zukünftig Pipelinegas aus Russland erhalte, werde China auch in gewissem Umfang weniger Gas auf dem Spotmarkt kaufen - dadurch werde mehr Gas für Europa verfügbar.

E-Control-Vorstand Walter Boltz betonte, dass Österreich auf allfällige Gasliefereinschränkungen gut vorbereitet sei. Rund 56 Prozent des heimischen Gasverbrauchs würden durch Gas aus Russland gedeckt, Österreich beziehe sein russisches Gas zur Gänze über die durch die Ukraine gehende Leitung. Durch die Ankündigung des russischen Gaskonzerns Gazprom, mit Anfang Juni die Ukraine nur mehr gegen Vorauskasse zu beliefern, könnten sich auch die Gaslieferungen in die EU-Länder reduzieren.

„Gazprom muss seine Lieferverpflichtungen gegenüber den Vertragspartnern in den EU-Ländern einhalten. Sollte der Transit über die Ukraine-Route eingeschränkt sein, muss das russische Gas eben auf anderen Wegen in die EU“, sagte Boltz heute, Donnerstag, auf dem „Energie-Dialog“ der Energieregulierungsbehörde. So könnte Gazprom Erdgas durch die Nord-Stream- und anschließend die Opal-Pipeline über Deutschland und Tschechien nach Österreich liefern. Beide Leitungen hätten jedenfalls genüg zusätzliche Kapazität, derzeit würden nur rund zwei Drittel der zur Verfügung stehenden Kapazität tatsächlich genutzt.

Zudem sei diese Leitung 2009 noch nicht zur Verfügung gestanden, „dennoch konnte bereits damals der mehr als zweiwöchige Lieferausfall bewältigt werden“, erinnert Boltz. Zusätzlich könnte Österreich auch Gas aus den heimischen Gasspeichern entnehmen oder über Italien importieren. Die Speicher würden nach der Wintersaison kontinuierlich weiter befüllt und seien bereits zur Hälfte voll. Die in Österreich befindlichen Gasspeicher hätten eine Lagerkapazität von 8,1 Mrd. Kubikmetern. Der Gasverbrauch von Endkunden lag 2013 bei 7,5 Mrd. Kubikmetern.