Ukrainische Schriftstellerin Oksana Sabuschko findet Zuflucht in Graz

Graz/Kiew (APA) - Mit Oksana Sabuschko hat eine der zentralen Schriftstellerinnen der Ukraine als „Writer in Exil“ in Graz Unterschlupf gefu...

Graz/Kiew (APA) - Mit Oksana Sabuschko hat eine der zentralen Schriftstellerinnen der Ukraine als „Writer in Exil“ in Graz Unterschlupf gefunden. Die 64-jährige Autorin aus Kiew beteiligte sich an den Demonstrationen am Maidan, mit Interviews und Diskussionsbeiträgen rückte sie zunehmend ins Rampenlicht und setzt sich damit einer in der heutigen Ukraine zunehmenden Gefahr aus. Am 11. Juni wird sie in Graz lesen.

Die Autorin, die jüngst von der „Neuen Zürcher Zeitung“ als eine der „zornigsten und brillantesten Anwältinnen der Ukraine“ charakterisiert wurde, ist Gast des „Internationalen Hauses der Autorinnen und Autoren“ in Graz (IHAG). Die Einrichtung der Kulturvermittlung Graz und des Kulturamtes der Stadt versucht seit 1997 auch dem Titel „Stadt der Zuflucht“ gerecht zu werden. Sie bietet Autoren eine Unterkunft, die aufgrund ihrer kritischen Haltung in ihrer Heimat mit Repressalien bedroht sind oder in ihrer Tätigkeit beeinträchtigt werden.

Die Länge des Aufenthaltes im dafür zur Verfügung stehenden Cerrini-Schlößl am Grazer Schloßberg richte sich „nach der persönlichen Situation der jeweiligen Autoren“. Ausgelegt sei das Programm auf ein Jahr, hieß es dazu am Donnerstag aus dem Büro von Kulturstadträtin Lisa Rücker (Grüne).

Oksana Sabuschko stammt aus dem Westen der Ukraine. Dass sie als Schulkind nicht Ukrainisch sprechen durfte, ließ in ihr früh das Gefühl wachsen, einer „kolonialisierten“ Kultur anzugehören. Die Frage nach einem nationalen Selbstverständnis und die eigene Identität als Ukrainerin wurden zentrale Themen ihrer Romane und Aufsätze, die seit 2006 auch im Grazer Droschl-Verlag veröffentlicht wurden.

Im Pressegespräch am Donnerstag beschrieb die studierte Philosophin und ehemalige Fulbright-Stipendiatin in Harvard und Pittsburgh den momentanen Alltag in der Ukraine: „Es gibt zwar einen Alltag, aber nur an der Oberfläche. Man sitzt in einem Lokal und trinkt einen Kaffee, aber wehe es fällt irgendwo auch nur ein Löffel zu Boden - alles erstarrt für Sekunden.“

Die Ukraine sei derzeit wie eine Fallstudie, ein Amalgam aus vielen unterschiedlichen Geschichten, die es jetzt zu ordnen gelte, um eine neue Identität entstehen zu lassen, so Sabuschko, die auf Anraten von Freunden den Weg nach Graz angetreten hat. Hier sei sie dann auf Menschen getroffen, die lachen und unbeschwert wie unschuldige Kinder durch die Straßen schlendern. Und sie habe sich gefragt, ob die denn alle nichts von der Gefahr wissen, die sehr nahe ist.

Persönlich kann man die Schriftstellerin am 11. Juni (20.00 Uhr) in einer Lesung im Rahmen der Reihe „FreiSchreiben. Literatur und Widerstand“ im ISOP, Dreihackengasse 2, erleben.