NATO-Kommandant: Eingreiftruppe muss schneller werden

Brüssel/Kiew (APA/dpa) - Die NATO muss nach Ansicht ihres Oberbefehlshabers in Europa, US-General Philip Breedlove, eine Stationierung ihrer...

Brüssel/Kiew (APA/dpa) - Die NATO muss nach Ansicht ihres Oberbefehlshabers in Europa, US-General Philip Breedlove, eine Stationierung ihrer Truppen in den östlichen Bündnisstaaten prüfen. Er werde dem NATO-Gipfel Anfang September in Wales auch vorschlagen, die Reaktionsfähigkeit der Schnellen Eingreiftruppe (NATO Response Force/NRF) zu erhöhen. „Und das wird Geld kosten“, so Breedlove am Donnerstag in Brüssel.

Die NATO habe im Fall der Krim erlebt, dass Russland starke Streitkräfte stationiert und auf einen Einsatz vorbereitet habe, um dann „eine international anerkannte Grenze zu überschreiten und gewaltsam den Teil eines souveränen Staates zu annektieren“. „Wir haben bisher unsere Entscheidungen über Streitkräfte, deren Finanzierung und deren Stationierung auf der Grundlage von Russland als einem Partner getroffen. Es ist ziemlich klar, dass dies nicht mehr unsere heutige Situation ist“, sagte Breedlove.

Die NATO müsse daher neue militärische Überlegungen anstellen: „Haben wir die richtigen Truppengrößen, sind unsere Streitkräfte korrekt ausgerüstet und ist die Reaktionsfähigkeit angemessen?“ Nach dem russischen Truppenaufmarsch an der Grenze zur Ukraine müsse das Bündnis auch überlegen, ob sie nicht auch in den östlichen Mitgliedsstaaten Bodentruppen stationieren müsse. „Man kann eine sehr schnell einsetzbare Truppe Tausende von Kilometern entfernt haben. Und das ist eine andere Situation als wenn man eine sehr schnell einsetzbare Truppe dort hat, wo man sich Sorgen macht“, sagte Breedlove.

Auf die Frage, ob er damit die Stationierung von Bodentruppen im Osten des Bündnisgebiets fordere, sagte er: „Ich sage, wir müssen überlegen, wo unsere Truppen stationiert sein sollen, damit sie schnell eingesetzt werden können. Und ja, wir sollten überlegen, ob wir Streitkräfte im Osten brauchen.“ Dies müssten nicht unbedingt ständige Einheiten sein: „Vielleicht gibt es turnusmäßige Wechsel. Es gibt verschiedene Möglichkeiten.“

Breedlove sagte, er werde dem kommenden NATO-Gipfel in Newport (Wales) eine „Neuorientierung“ der NRF-Eingreiftruppe vorschlagen. Diese wurde seit ihrer Gründung vor zehn Jahren noch nie eingesetzt. Die NRF besteht derzeit aus einem 13.000 Mann zählenden Kern, von dem ein Teil innerhalb von fünf Tagen einsetzbar sein soll. Außerdem gibt es weitere Einheiten, die bei Bedarf herangezogen werden sollen. „Die NRF ist ein exzellentes Werkzeug, das genau das tut, was wir von ihm verlangen. Die Frage ist nur: Haben wir es gefragt, die richtigen Dinge zu tun?“

Die NRF sei das Instrument, um auf Truppenaufmärsche entlang der NATO-Grenzen zu antworten. Es gehe vor allem darum, die Reaktionsfähigkeit zu erhöhen. „Ich denke, dass die Reaktionsfähigkeit heute langsamer ist als wir es brauchen, wenn wir auf große Truppenverbände an unseren Grenzen reagieren wollen. Vielleicht sollten wir über eine Reaktionsfähigkeit von Tagen statt von Wochen und Monaten sprechen.“ Wenn eine Truppe innerhalb von 48 Stunden statt innerhalb von zwei Monaten einsatzbereit sein solle, so bedeute das beispielsweise mehr Training und mehr einsatzbereit gepacktes Material. „Das ist nicht kostenlos, das erfordert Investitionen.“ Die Größe der NRF sie kein Problem: „Ich denke, wir müssen uns um die Reaktionsfähigkeit kümmern.“

Breedlove versicherte, die NATO sei in der Lage, ihre Verpflichtung zum Schutz jedes ihrer Verbündeten zu erfüllen. „Wir haben genügend Stärke, um das zu tun.“ Deswegen sei es aber nötig, angesichts der Ereignisse in der Ukraine über die Reaktionsfähigkeit und die Stationierung von Streitkräften nachzudenken.

~ WEB http://www.nato.int/ ~ APA587 2014-05-22/17:06