Strafvollzug - Richterwoche: Intensive und frühe Behandlung nötig

Saalfelden/Wien (APA) - Zu Einweisungen von geistig abnormen Rechtsbrechern in den Maßnahmenvollzug sind am Donnerstag bei der Richterwoche ...

Saalfelden/Wien (APA) - Zu Einweisungen von geistig abnormen Rechtsbrechern in den Maßnahmenvollzug sind am Donnerstag bei der Richterwoche in Saalfelden in Workshops mehrere Änderungen vorgeschlagen worden. Die größten Herausforderungen wurden aber im Maßnahmenvollzug selbst gesehen, so das Justizministerium am Abend in einer Aussendung. Die Lösungsvorschläge gingen in Richtung intensive und frühzeitige Behandlungen.

Die Teilnehmer forderten Änderungen insbesondere im Bereich der sogenannten Anlasstaten. „Die alleinige Orientierung am Strafrahmen sehen wir als nicht ausreichend an, weil dadurch bei Delikten wie etwa Stalking oder dauernde Gewaltausübung eine Einweisung in eine Maßnahme nicht erfolgen kann“, sagte Cornelia Koller, Staatsanwältin der Staatsanwaltschaft Graz. Darüber hinaus sollte auch Augenmerk darauf gelegt werden, „ob ein Zusammenhang zwischen der Krankheit und der Tat besteht“, ergänzte Rainer Nimmervoll, Richter am Landesgericht Linz.

Auch bei bedingten Entlassungen aus Anstalten für geistig abnorme Rechtsbrecher wurde Verbesserungsbedarf geortet. Die Schwere des Delikts sage oft nichts über das Risiko des Täters aus, „denn die Rückfallsquote z.B. bei Mördern ist sehr niedrig“, erläuterte Martin Kitzberger, Leiter des Forensischen Zentrums Asten. Dabei seien insbesondere die Art der Erkrankung, das soziale Umfeld, die Anlasstat, die Entwicklung des Betroffenen während der Maßnahme und auch eine mögliche Nachbetreuung die Basis, um eine Risikoeinschätzung abgeben zu können. Besondere Risikofaktoren seien häufige und vielschichtige kriminelle Vergangenheit, Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung und junges Alter.

„Natürlich gibt es rein statistisch bei jeder Gefährlichkeitsprognose eine Irrtumswahrscheinlichkeit“, sagte die Klinische Psychologin und Gesundheitspsychologin Barbara Tröbinger. Diese könne aber durch das Schaffen der notwendigen Voraussetzungen (insbesondere durch eine Nachbetreuung) stark gemindert werden. Zur bedingten Einweisungen oder Entlassungen wurde ähnlich argumentiert: „Ein früher Behandlungsbeginn macht oft eine bedingte Nachsicht der Einweisung möglich oder kann die Dauer des Maßnahmenvollzugs erheblich verkürzen“, hieß es von den Workshopteilnehmern.