„Bangkok Post“: Putsch wird Thailands Lage verschlimmern

Bangkok (APA) - Der jüngste Putsch in Thailand wird nach Ansicht der angesehenen englischsprachigen Zeitung „Bangkok Post“ die Lage nur noch...

Bangkok (APA) - Der jüngste Putsch in Thailand wird nach Ansicht der angesehenen englischsprachigen Zeitung „Bangkok Post“ die Lage nur noch verschlimmern. In einem Leitartikel in der Online-Ausgabe des Blattes hieß es in der Nacht auf Freitag, die Entscheidung von Armeechef Prayuth Chan-ocha sei kurzsichtig gewesen.

Der Armeechef habe den Putsch mit dem Argument gerechtfertigt, man habe den weiteren Verlust von Menschenleben und eine Eskalation des politischen Konflikts verhindern müssen. „General Prayuth mag gute Absichten im Herzen tragen, aber gewaltsam die Regierungsmacht zu übernehmen wird nur zu einer weiteren Verschlimmerung der Situation führen“, so die „Bangkok Post“.

Prayuth habe gesagt, der Putsch werde den Weg dafür ebnen, dass die Menschen zusammenkommen und sich wieder gern haben, so wie in der Vergangenheit, hieß es weiter in dem Leitartikel. „Der Armeechef sollte es besser wissen. General Prayuth war an dem von General Sonthi Boonyaratglin geführten Putsch beteiligt, bei dem 2006 der damalige Premier Thaksin Shinawatra in 2006 gestürzt wurde.“

In den letzten acht Jahren habe Prayuth mit eigenen Augen sehen können, wie eine Anti-Putsch-Bewegung geboren wurde, schrieb das Blatt unter Hinweis auf die Thaksin-treue Rothemden-Bewegung UDD. Diese hatte Massenproteste in Bangkok organisiert, die 2010 blutig niedergeschlagen wurden. „General Prayuth muss gesehen haben, wie die von den Putschisten eingesetzte Regierung....daran gescheitert ist, die Einheit des Landes wiederherzustellen oder ein Gefühl von Fairness zu vermitteln.“

Seit dem Putsch von 2006 sei dessen erklärtes Ziel, die nationale Versöhnung zu erreichen, in immer weitere Ferne gerückt. Damals wie heute hätten die Putschisten versprochen, Frieden und nationale Harmonie wieder herzustellen. Doch der jüngste Konflikt zwischen der inzwischen abgesetzten Regierung und der Protestbewegung PDRC sei zu einem großen Teil auf den Umsturz von 2006 zurückzuführen.

General Prayuth hätte in seiner Rolle als Vermittler zwischen den politischen Streitparteien erkennen müssen, dass die tiefen Gegensätze nicht so schnell überwunden werden können, schreibt die „Bangkok Post“. Thailand mit seiner langen Geschichte von Staatsstreichen einen weiteren Putsch hinzuzufügen, werde die Kluft noch vertiefen und es schwieriger machen, die Wut an beiden Polen des politischen Spektrums einzudämmen.

Zum Versprechen Prayuths, notwendige Reformen in Angriff zu nehmen meinte das Blatt, dies sei auch Ziel der Protestbewegung PDRC gewesen (die mit dem Sturz der Thaksin-treuen Regierung nunmehr ihr Ziel erreicht hat). „Wie kann General Prayuth dies umsetzen ohne dass er als parteiisch gesehen wird?“, fragte der Leitartikler.

Zudem warnte die „Bangkok Post“ vor der Verhängung von Sanktionen durch Mitglieder der internationalen Gemeinschaft. „Die Wirtschaft wird leiden, was es noch schwieriger für den einfachen Bürger machen wird.“