Alstom-Poker: General Electric verlängerte Frist für sein Angebot

Paris/München (APA/dpa) - Der Alstom-Übernahmepoker geht unter Druck der französischen Regierung in die Verlängerung. Noch immer ist allerdi...

Paris/München (APA/dpa) - Der Alstom-Übernahmepoker geht unter Druck der französischen Regierung in die Verlängerung. Noch immer ist allerdings unklar, ob auch der deutsche Siemens-Konzern ein konkretes Angebot auf den Tisch legt.

Der Übernahmepoker um den französischen Industriekonzern Alstom wird zur Geduldsprobe. Eigentlich sollte die Siemens-Führung bis Ende kommender Woche beschlossen haben, ob sie das vorliegende Milliarden-Angebot des US-Rivalen General Electric (GE) kontert. Nun gibt es allerdings vonseiten der Amerikaner eine Fristverlängerung um drei Wochen mit noch unklaren Konsequenzen. Aber haben die Münchner überhaupt eine Chance? Fragen und Antworten zum Verhandlungskrimi im Überblick:

Welche Ziele verfolgen die Konkurrenten Siemens und GE?

Beide Unternehmen sind vor allem an der Energietechnik-Sparte von Alstom interessiert und erhoffen sich durch eine Übernahme mittel- und langfristig eine stärkere Stellung auf den Weltmärkten. Die Münchner haben zudem vorgeschlagen, im Bahn-Geschäft ein von französischer Seite kontrolliertes Gemeinschaftsunternehmen zu gründen. So könnten in den Bereichen Transport und Energie zwei starke „europäische Champions“ entstehen. Siemens würde bei dieser Variante seine Geschäfte mit Hochgeschwindigkeitszügen, Lokomotiven und Metros abgeben, Alstom unter anderem seine Aktivitäten im Bereich Turbinenbau, Wasser- und Windkraft sowie Energieübertragungstechnik.

Was tut sich aktuell in dem Übernahmepoker?

Derzeit wird auf allen Seiten analysiert und abgewogen. Der Alstom-Verwaltungsrat hat ein Sondergremium damit beauftragt, das GE-Offert bis Ende dieses Monats noch einmal gründlich zu prüfen. Siemens macht unterdessen das, was GE bereits vor einigen Monaten nach Geheimverhandlungen mit Alstom-Chef Patrick Kron tun konnte: Um auch ein konkretes Angebot abgeben zu können, müssen die Bücher von Alstom unter die Lupe genommen und Management-Interviews geführt werden. Gleichzeitig sprechen Spitzenmanager von GE und Siemens regelmäßig bei der französischen Regierung vor. Sie stärkte in der vergangenen Woche per Dekret ihre Interventionsrechte bei Übernahmen und will keine für den Industriestandort Frankreich nachteilige Entscheidung des Alstom-Verwaltungsrats akzeptieren.

Warum soll Alstom überhaupt seine Unabhängigkeit verlieren?

Das Unternehmen wird für zu klein gehalten, um langfristig auf dem Weltmarkt bestehen zu können. Aktuell gibt es keine großen Probleme, aber bereits für das vergangene Geschäftsjahr musste der Konzern einen Gewinneinbruch um mehr als ein Viertel auf 556 Millionen Euro verbuchen. Weiter schwächen könnte Alstom ein Korruptionsverfahren in den USA, das mit einer Rekordstrafe enden könnte. Dieser Punkt spielt auch bei der laufenden Risikoprüfung durch Siemens eine Rolle.

Warum scheint sich die Alstom-Führung nicht für das Angebot aus München zu interessieren?

Konzernchef Kron wird eine hartnäckige Abneigung gegen Siemens nachgesagt. Angeblich nimmt er dem deutschen Unternehmen bis heute Ereignisse aus dem Alstom-Krisenjahr 2004 übel. Die Münchner hatten über Einflussnahme in Brüssel versucht, einen mit Staatsgeldern finanzierten Rettungsplan für Alstom zu stoppen, weil sie schon damals Teile des Konzerns übernehmen wollten. Kron ist zudem der Ansicht, dass Siemens und Alstom in zu vielen Bereichen direkte Konkurrenten sind. Für die letztlich entscheidenden Großaktionäre könnte eine Rolle spielen, dass GE die Alstom-Energietechnik etwas höher bewertet, als Siemens es in einer ersten Schätzung getan hat.

Hat Siemens denn dann überhaupt noch eine Chance?

Die französische Regierung sagt ja. Sie hat mehrfach zu verstehen gegeben, dass sie eine europäische Lösung für Alstom favorisieren würde - wenn sich nicht doch noch eine französische Option eröffnen sollte. Druck bei den Verhandlungen kann die Politik nicht nur über ihr Vetorecht, sondern auch als Großkunde ausüben: Alstom ist sowohl im Transport- als auch im Energiebereich extrem von Aufträgen von Staatsunternehmen anhängig. Siemens scheint sich in den Verhandlungen zudem sehr flexibel zu geben. Nach Angaben aus Industriekreisen haben die Münchner unter anderem angeboten, ihre Geschäfte in der Wasserkraft und Energieübertragung künftig von Frankreich aus zu steuern. Sie sollen auch bereit sein, auf Teile des Alstom-Geschäfts zu verzichten. Ein Beispiel könnte der Bau großer Dampfturbinen sein, die in französischen Atomkraftwerken zum Einsatz kommen.

Welche Schritte stehen als nächstes an?

Sobald Siemens seine Karten auf den Tisch gelegt hat, ist wieder der Alstom-Verwaltungsrat am Zug. Sollten die Münchner ein Angebot machen, würde die GE-Führung noch einmal einige Tage Zeit bekommen, um ihr Offert nachzubessern. Eine schnelle Entscheidung ist allerdings nicht zu erwarten. Die Amerikaner ließen am Donnerstagabend mitteilen, dass sie auf Wunsch der französischen Regierung die Laufzeit ihres ersten Angebots um knapp drei Wochen bis zum 23. Juni verlängert haben. Damit dürfte sich das ganze Verfahren weiter in die Länge ziehen.

~ ISIN DE0007236101 US3696041033 WEB http://www.alstom.com/

http://www.siemens.com

http://www.ge.com/ ~ APA068 2014-05-23/08:37