Segeln

Delle Karth und Co. segeln bei Olympia auf der Müllhalde

Eine Traumbucht in Rio de Janeiro wird durch Schrott und Kadaver zur ekligen Schaumbucht. Nico Delle Karth graust es davor, nass zu werden.

Von Susann Frank

Innsbruck – Sauber hin, dreckig zurück – mit diesem Gedanken musste sich der Innsbrucker Segler Nico Delle Karth gestern anfreunden, als er sein Material sorgfältig fürs Verschiffen zusammenpackte. Heute geht das beste 49er-Boot des Steuermanns und seines Kärntner Vorschoters Niko Resch per Schiff auf eine zweimonatige Reise, um im August in der dreckigsten Bucht, die der 30-Jährige je gesehen hat, zum Einsatz zu kommen: bei den Pre-Pre-Olympischen-Rennen in Rio de Janeiro’s Guanabara Bay.

Stühle, Matratzen und Tier-Kadaver

Von alten Stühlen und Matratzen über riesige Holzstücke mit Nägeln bis hin zu Tier-Kadavern treibt dort alles. Wenn ein Motorboot durchfährt, schäumt das Wasser in der Farbe Braungrün. „Es ist wirklich grausig. Und wenn das Wasser einem beim Segeln in das Gesicht spritzt, vergisst man besser, wie es aussieht und riecht“, sagt der Olympia-Vierte von 2012.

Den Ekel aus dem Kopf zu bekommen, ist jedoch nicht einfach. Vor allem, wenn sich seit London alles um Olympia 2016 in Rio de Janeiro dreht. Aufgrund des unbändigen Wunsches, sich dort olympisches Edelmetall zu holen, verlängerte das Duo seine Karriere. Jede Überlegung, jedes Training, jeder Wettkampf ist seither auf Brasilien ausgerichtet. Deshalb absolvierten Delle Karth

Resch vergangenes Jahr schon zwei Trainingslager in den olympischen „Abwässern“. In dem „Müllabladeplatz“, wie ihn deutsche Segel-Kollegen nennen, hatte Delle Karth zeitweise sogar Angst, seinen Fuß reinzusetzen, um sich vom Ufer aus abzustoßen.

Im August wird sich der Tiroler wieder überwinden müssen, davor segelt er in sauberen Gefilden: Ende Juni bei der Kieler Woche und Anfang Juli bei der Europameisterschaft in Helsinki (FIN). Beides sind jedoch nur Zwischenstationen im Hinblick auf die Saison-Höhepunkte mit der Regatta vor der südamerikanischen Millionen-Metropole und der WM im September in Santander. Wobei das Hauptaugenmerk auf Spanien liegt. Bei den Titelkämpfen können die ersten zehn Nationentickets für Olympia ergattern. Delle Karth: „Es würde uns das Leben unheimlich erleichtern.“

„Das schönste Stück Atlantik, das ich kenne“

Deshalb wird auch ihr bestes Material an den Zuckerhut verschifft und dort für sehr teures Geld sicher und sauber in Containern gelagert. Delle Karth: „Es kostet unmenschlich viel Geld.“ Neben den Pre-Pre-Wettkämpfen stehen weitere Trainingslager an. Delle Karth hofft, dass sich bis dahin die Abwässer in Gewässer verwandeln. „Die Stadt sollte unbedingt etwas machen. Guanabara Bay ist so eine wunderschöne Bucht. Wenn man etwas rausfährt, ist es traumhaft und wirklich das schönste Stück Atlantik, das ich kenne“, schwärmt der Tiroler, dem die Schauplätze mehr zusagen als die bei den Spielen in London.

Bis zur Eröffnung des größten Sportevents der Erde 2016 hätte die Regierung jedenfalls zugesichert, 80 Prozent der ins Meer fließenden Gewässer in Rio de Janeiro durch Kläranlagen zu reinigen. Derzeit werden weniger als 40 Prozent behandelt. Die Chance besteht also, dass Delle Karth seinen Fuß zum Abstoßen ohne Ekel benutzen kann und das Material doch sauber wieder in Innsbruck ankommt.

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