Ukraine-Krise - Experte: Oligarchen Schlüsselfiguren bei Wahl

Leipzig (APA/dpa) - Die ukrainischen Oligarchen denken bei ihrem politischen Engagement nach Einschätzung des Osteuropa-Experten Wilfried Ji...

Leipzig (APA/dpa) - Die ukrainischen Oligarchen denken bei ihrem politischen Engagement nach Einschätzung des Osteuropa-Experten Wilfried Jilge auch an ihre Geschäfte. Sie lavierten, um am Ende „an der Konstellation dran zu sein, die für ihre Geschäfte am besten ist“, sagte der Historiker der Universität Leipzig am Freitag im Deutschlandradio Kultur.

Dem Unternehmer und Präsidentschaftskandidaten Pjotr Poroschenko werde aber zugetraut, „sowohl im Westen des Landes stark zu sein als auch einen Dialog mit dem Osten führen zu können“, sagte Jilge. Poroschenko habe politische Ämter innegehabt. Aber „er hat sich nicht ganz so diskreditiert mit Korruption wie die anderen Oligarchen und war nicht so stark verbunden mit dem Regime Janukowitsch“.

Der aus Donezk stammende Rinat Achmetow, der als reichster Ukrainer gilt, habe in der Region Donbass starken Einfluss auf Verwaltung und Milizen, sagte Jilge. „In den Fabriken, wo ein wesentlicher Teil der politischen Kultur entwickelt wird, hat er über seine Fabrikdirektoren ganz massiven Einfluss auf etwa 300.000 Arbeitnehmer.“ Der Oligarch habe sich politisch lange zurückgehalten, sagte der Historiker. „Achmetow hat wohl befürchtet, dass das seine Geschäfte massiv gefährden könnte.“ Er habe „starke Assets“ auf den europäischen Finanzmärkten, exportiere aber auch nach Russland. Wenn Achmetow jetzt aus der Deckung komme, dann wohl weil er befürchte, die Separatisten könnten seine Geschäfte gefährden.