Champions-League-Finale

Arbeiter wollen den Königlichen die europäische Krone stehlen

Im ersten Stadtderby in der Geschichte der Champions League treffen Samstag zwei Welten aufeinander: Real gegen Atlético ist der Madrider Kampf der „Adeligen“ gegen die „Arbeiter“ um die Vorherrschaft in Europa.

Madrid – Sollte Atlético morgen Abend gewinnen, wird in kaum einem Bericht der Hinweis fehlen, dass es das mit einem Viertel des Geldes seines königlichen Kontrahenten geschafft hat. Was natürlich zu der Frage führt: Wird da etwa auch viermal besser gearbeitet? Die Chancen für diesen Coup stehen besser, seit eine Heilerin offenbar ein Wunder bewirkt hat: Der 25-jährige Stürmer Diego Costa ist nach seiner Behandlung bei der Spezialistin Marijana Kovacevic in Belgrad zuversichtlich. Bei seiner Rückkehr nach Madrid soll der 25-Jährige Reportern der Sporttageszeitung Marca zugerufen haben, dass er am Donnerstag wieder trainieren wolle. Costa laboriert an einem Muskelfaserriss im rechten Oberschenkel, den er sich am vergangenen Samstag im titelbringenden Ligaspiel beim FC Barcelona (1:1) zugezogen hatte.

Mit 27 Treffern in der Primera División und acht Toren in der Königsklasse ist der spanische Nationalspieler der mit Abstand erfolgreichste Angreifer der „Matratzenmacher“.

Der Madrider Arbeiterverein, der 1903 von baskischen Studenten gegründet wurde und hinter dem sich auch viele Migranten aus Lateinamerika versammeln, hat seinen Trophäenschrank im Vergleich zu Real Madrid relativ karg gefüllt: 1974 wurde der Weltpokal gewonnen, weil Bayern München nach seinem Finalsieg über Atlético (1:1 und im Wiederholungsspiel 4:0 für München) auf das Weltpokalspiel verzichtete. Da war da noch der Finalsieg im Pokal der Pokalsieger 1962 gegen die Glasgow Rangers. 2010 und 2012 wurde die Europa League gewonnen.

Atlético steht also immer noch im Schatten des großen Stadtrivalen, möchte aber nach einer außergewöhnlichen Saison mit dem ersten Gewinn der spanischen Meisterschaft seit 1996 nach dem 1:1 in Barcelona am letzten Spieltag den CL-Triumph. Die vom 44-jährigen charismatischen Argentinier Diego Pablo Simeone trainierten „Rojiblancos“ symbolisieren dabei wie ihr Coach, der 134-mal für Atlético spielte, für ihre Fans genau das, was Real nicht ist: Bodenständigkeit, Volksverbundenheit. Ein Klub für die Arbeiter. Einer, dem sich die einzigartige Möglichkeit bietet, als vergleichsweiser Underdog der Madrider Oberschicht die Grenzen ihrer Omnipotenz aufzuzeigen. Ein Klub, der sich ausnahmsweise eine Krone aufsetzen will: die des CL-Champs. (winkl)

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