St. Peterburger Wirtschaftsforum überschattet von Ukraine-Krise

Bern/St. Petersburg (APA/sda) - Das Wirtschaftsforum in St. Petersburg wird überschattet von der russischen Ukraine-Politik und den Sanktion...

Bern/St. Petersburg (APA/sda) - Das Wirtschaftsforum in St. Petersburg wird überschattet von der russischen Ukraine-Politik und den Sanktionen gegen Russland. Zahlreiche Konzernchefs namentlich aus den USA und aus Deutschland sind nicht angereist. Schweizer Manager nehmen hingegen im gleichen Ausmaß wie im Vorjahr teil.

Unter dem sinnigen Motto „Festigung des Vertrauens in einer Epoche des Wandels“ hätte das „russische Davos“ Wladimir Putin und der angeschlagenen russischen Wirtschaft eigentlich einen Schub geben sollen.

Die russische Wirtschaft leidet nämlich unter einer dramatischen Kapitalflucht und einem schlechten Investitionsklima. Der Schatten der Politik fällt hingegen auf das diesjährige Treffen, das am Donnerstag begonnen hat und bis zum Samstag dauert.

2013 als die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und weitere Politiker am Forum teilnahmen, war das Klima noch wesentlich besser gewesen. Heuer wird das Wirtschaftsforum allerdings vom international umstrittenen Anschluss der Schwarzmeer-Halbinsel Krim und dem russischen Kurs in der Ukraine-Krise in Mitleidenschaft gezogen.

Russische Medien berichten, dass aus diesem Grund rund 30 Firmenchefs ihre Teilnahme an dem sonst hochkarätig besetzten Wirtschaftsgipfel abgesagt haben. Daheimgeblieben sind vor allem US-Manager, deren Zahl um rund die Hälfte auf knapp über 50 gesunken ist. Auch das deutsche Teilnehmerfeld an Topmanagern reduzierte sich um gut ein Drittel.

Zu den großen Anwesenden zählen hingegen die Konzernchefs von Shell und BP, Ben von Beurden und Robert Dudley, oder auch Alstom-Chef Patrick Kron.

Laut der offiziellen Teilnehmerliste sind in St. Petersburg auch wie bereits im Vorjahr rund 40 Vertreter von Schweizer Firmen. Die prominentesten darunter sind ABB-Verwaltungsratspräsident Hubertus von Grünberg und der Chef von Glencore Xstrata, Ivan Glasenberg.

Absagen von Schweizer Firmen wurden keine offiziell bekannt gegeben. Das Teilnehmerfeld hat sich auch kaum verändert. Einzig Swiss Re gehört nicht mehr dazu. Von ABB hieß es im Vorfeld, man wolle mit der Teilnahme „den langjährigen Dialog mit der Regierung in Moskau fortsetzen“.

Noch stärker als im Vorjahr ist der Bankensektor vertreten. Credit Suisse hat vier Kaderleute angemeldet (Vorjahr 3), Konkurrent UBS sogar acht Manager (Vorjahr 6). Die Privatbanken Edmond de Rothschild und Lombard Odier geben sich ebenfalls in St. Petersburg mit vier Teilnehmern ein Stelldichein. Von den Genfer Privatbanken war 2013 lediglich Pictet dabei.

Konzerne, wie Adecco, Nestle und Novartis lassen sich mehrheitlich durch Vertreter aus ihren Niederlassungen in Russland repräsentieren. Vor einem Jahr entsandte Novartis noch drei Manager, dieses Jahr setzen die Basler nur auf ihren Russland-Manager. Vor Ort sind auch erneut der Energiehändler Mercuria und der Wirtschaftsprüfer KPMG.

Nach Ansicht von Jan Atteslander, Leiter Außenwirtschaftspolitik des Wirtschaftsdachverbandes Economiesuisse, ist das Forum in St. Petersburg in erster Linie für die russische Wirtschaft in den letzten Jahren sehr wichtig geworden.

Atteslander betont, dass Russland ein aufstrebendes Land mit einem beträchtlichen Potenzial sei. Unklar sei, wie sich die derzeitige politische Entwicklung niederschlagen werde. Russland habe in den letzten Jahren aber bei Wachstumshemmnissen wie Bürokratie und Korruption Fortschritte erzielt. Auch Modernisierungen seien an die Hand genommen worden und eine Mittelschicht sei entstanden. Die Makrodaten seien gut, etwa eine Arbeitslosenquote von 5,5 Prozent.

Schon vor der Ukraine-Krise habe sich allerdings das Wirtschaftswachstum 2013 in Russland beinahe halbiert. Für die Schweizer Wirtschaft sei Russland zwar ein wichtiger Partner, das Handelsvolumen aber noch überschaubar, so Atteslander. Die Schweizer Exporte beliefen sich im vergangenen Jahr auf rund 3 Mrd. Franken (2,5 Mrd. Euro) Diese Zahl liegt deutlich unter den Exportwerten beispielsweise mit China (10 Mrd. Franken) oder der Europäischen Union (120 Mrd. Franken).