Formel 1

Die Faszination Monaco

Zwischen Leitplanken, Steuererleichterungen und jeder Menge Prestige: Der Formel-1-Grand-Prix im französischen Stadtstaat Monaco zieht nicht nur die Piloten in den Bann.

Aus Monaco: Daniel Suckert

Monaco – „Es ist unglaublich, hier überhaupt ein Rennen zu veranstalten“, sagte der Weltmeister von 1996, Damon Hill, über das Rennen mit dem größten Prestige und der zugleich größten Faszination im Formel-1-Kalender. Sein Vater Graham (GBR) gewann den Renn-Klassiker gleich fünfmal – nur der unvergessene Ayrton Senna (BRA) thront seit dem Jahre 1993 mit einem Sieg mehr über all den anderen Formel-1-Piloten. Monaco ist anders. Das erlebt man nicht nur als Pilot, sondern auch als Gast des weltweit zweitkleinsten Staates.

B wie Beginn: Das erste Autorennen an der französischen Riviera fand im Jahre 1929 statt. Die damalige Streckenführung war eine ganz andere. Im Gegensatz zum heutigen Grand Prix mussten die Piloten von damals noch 50 Kilometer weiter fahren. Der erste Sieger trug den Künstlernamen „Williams“, ein Pseudonym für den englischen Armeeoffizier William Grove. Der Offizier fuhr mit einem Bugatti 35B, mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 80 km/h und überquerte erst nach knapp vier Stunden die Ziellinie.

E wie Einwohner: Null Steuern auf das Einkommen oder das Vermögen – die Vorzüge des Kleinstaates Monaco sind weltweit bekannt. Um die finanziellen Privilegien des Steuerparadies’ genießen zu können, muss man sich jedoch zunächst einmal einen Wohnsitz leisten können. Was die Immobilienpreise betrifft, steht der Staat an der Côte d’Azur konkurrenzlos an der Spitze. Die durchschnittlichen Quadratmeter-Preise für Eigentumswohnungen liegen bei über 40.000 Euro. Interessant ist auch, dass sich in der monegassischen Metropole (33.000 Einwohner) nur 7000 als „Einheimische“ bezeichnen dürfen. Die Kriminalitätsrate bei den Reichen und Schönen liegt bei null Prozent.

L wie Leitplanke: „Man sieht nur Leitplanken“, fasste der Australier Jody Scheckter den Ritt über den Straßenkurs treffend zusammen. Der originellste Sager stammt aber vom Brasilianer Nelson Piquet: „Es ist, als ob du mit einem Hubschrauber in deinem Wohnzimmer herumfliegst.“ Die Fahrer sind jede Sekunde gefordert. Die kleinste Unaufmerksamkeit wird mit dem abrupten Rennende in den Leitplanken bestraft. Und Leitplanken gibt es genug: Über 30 Kilometer lang sind die Metallbegrenzungen.

O wie Organisation: Das jährliche Highlight des Motorsports beschäftigt rund 3000 Mitarbeiter, allein 1000 sind am Rennwochenende von Donnerstag bis Sonntag aktiv beschäftigt. Der Aufbau beginnt bereits im März, der Abbau dauert nur halb so lange und ist nach 20 Tagen beendet. 35 Notärzte, 120 Krankenschwestern und Pfleger, 400 Polizisten, 120 Feuerwehrleute und 650 Streckenposten umfasst das Sicherheitspersonal. Im Notfall stehen unter anderem 40 Krankenwagen und zwei Rettungshubschrauber zur Verfügung.

P wie Prestige: Die Formel-1-Fahrer lieben oder hassen den PS-Auftritt, den weltweit über eine Milliarde Menschen mitverfolgen. Der Sieger steht auf keinem Podest, dafür in der Loge von Fürst Albert II. Die sonntägige 72. Auflage des Klassikers zählt neben den 500 Meilen von Indianapolis und den 24 Stunden von Le Mans zum motorisierten „Grand Slam“. Es sind die Rennen mit dem größte Prestige – den Grand Slam schaffte übrigens nur Graham Hill.

Siegreiche Auftritte der rotweißroten Piloten gab es mit Jochen Rindt (1970) und Niki Lauda. Der heutige Aufsichtsratvorsitzende bei Mercedes gewann das Rennen zweimal (1975, 1976) und blieb mit seinem legendären Handkuss für die Fürstin unvergessen.

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