EU-Wahl - Cameron will andere Kandidaten für den EU-Chefposten

London (APA/Reuters) - Der britische Premierminister David Cameron will nach Informationen aus seinem Umfeld keinen der Spitzenkandidaten de...

London (APA/Reuters) - Der britische Premierminister David Cameron will nach Informationen aus seinem Umfeld keinen der Spitzenkandidaten der großen Parteienfamilien für das Amt des EU-Kommissionspräsidenten akzeptieren. Mit seinen Kollegen der anderen EU-Staaten wolle er über andere Bewerber sprechen, erfuhr Reuters am Freitag von Cameron nahestehenden Personen.

Der Spitzenkandidat der europäischen Konservativen, Jean-Claude Juncker, und sein sozialdemokratischer Gegenkandidat, Martin Schulz, pochen darauf, bei einem Wahlsieg ihrer Parteien das Brüsseler Spitzenamt zu übernehmen. Beide Politiker berufen sich auf eine Vereinbarung im Europäischen Parlament, wonach der Wahlgewinner Kommissionspräsident werden soll. Wenn die Staats- und Regierungschefs eine andere Person zum Chef der Kommission machten, werde dies das Vertrauen der Bürger in die europäische Demokratie beschädigen, haben beide gewarnt. Juncker beruft sich zudem auf eine Zusage von Kanzlerin Angela Merkel. Die Staats- und Regierungschefs der EU kommen am Dienstagabend in Brüssel zusammen, um über die Personalie zu beraten.

Cameron sehe den ehemaligen luxemburgischen Regierungschef Juncker und EU-Parlamentspräsident Schulz als zu föderalistisch an, hieß es in den Kreisen. Es sei wichtig, dass der neue Kommissionschef reformorientiert sei. Er dränge die anderen Staats- und Regierungschefs daher, andere Anwärter ins Rennen zu schicken. Blockieren kann Cameron die Personalentscheidung nicht, da die EU-Chefs ihren Kandidaten für das Amt des Kommissionspräsidenten mit qualifizierter Mehrheit nominieren.