Sparmaßnahmen beim Bundesheer

„Politik treibt uns vor sich her“

Brigadier Karl Gruber, Chef der Fliegertruppe beim Bundesheer, warnt vor der Vernichtung von militärischen Fähigkeiten und langfristig falschen Sparmaßnahmen.

Von Wolfgang Sablatnig

Wien –Brigadier Karl Gruber hat für die Luftstreitkräfte des Bundesheeres gerade erst eine massive Kürzung von Treibstoffkontingenten und Flugstunden verordnet. Doch schon drohe die nächste Kürzung, berichtet der Leiter des Teilstabs Luft im Streitkräfteführungskommando im Gespräch mit der TT. Die Folgen seien drastisch, warnte er – bis hin zu Einschränkungen der Katastrophenhilfe, bei der die Militärhubschrauber oft unverzichtbar sind. Vor allem aber kritisierte Gruber angesichts zu kurzfristiger Vorgaben die politische Führung. „Panikmaßnahmen“ könnten zu Entscheidungen führen, die sich später als falsch herausstellen.

„Man wirft uns vor, falsche Maßnahmen zu setzen. Aber wir haben gar keine Chance, vernünftigere zu treffen“, sagte der Brigadier. Und weiter: „Die Politik treibt uns vor sich her. Sie dreht am Geldhahn und am Planstellenhahn und schaut zu, was passiert. Und das mit unzumutbaren Planungszeiten.“ Spielraum für Einsparungen gebe es keinen mehr: „Faktum ist, dass wir derzeit mit jeder Maßnahme Fähigkeiten vernichten.“

Wie berichtet, hat Gruber bereits die Zahl der Jetpiloten reduziert. Ab Juli muss er darüber hinaus die Betriebsstunden der Luftraumüberwachung kürzen. Derzeit gilt die Einsatzbereitschaft sieben Tage in der Woche von acht bis 20 Uhr, im Winter kürzer.

Für den neuen Einsatzplan wartet er aber noch auf Vorgaben von seinen Vorgesetzten. Entweder würden die Einsatzstunden generell gekürzt – tageweise etwa – oder indem die Wochenenden eingespart werden. Möglich wäre auch, die Luftraumüberwachung auf Zeiten von Großereignissen zu konzentrieren.

Andere Folgen des Sparprogramms würden überhaupt aber erst später spürbar – beim nächsten Katastropheneinsatz etwa. Nicht nur der Treibstoff begrenze die Einsatzfähigkeit, auch die Überstundenkontingente. Gruber: „Man wird schon ein paar Hubschrauber sehen. Aber es werden nicht mehr so viele sein. Und sie werden nicht mehr so lange durchhalten können. Und um 16 Uhr werden wir der Behörde erklären müssen, dass niemand mehr fliegen kann, auch wenn noch Menschen abzuholen wären.“

Der Brigadier berichtete, er richte den Flugbetrieb nun an Mindeststandards für die Sicherheit aus. Ein Pilot müsse zumindest 80 Flugstunden pro Jahr absolvieren, um nicht aus der Übung zu kommen. Die zwölf verbliebenen Eurofighter-Piloten sollen heuer auf 1080 Stunden kommen. Bei den Hubschraubern seien bis zu 120 Stunden möglich. Von internationalen Standards ist das Heer damit weit entfernt. Üblich seien 160 Stunden. Gruber: „Eine NATO-Evaluierung würden wir nicht durchhalten.“

Die Auswirkungen des Sparkurses seien auch nicht auf die Flieger begrenzt. Der General sieht andere Ziele genauso in Gefahr: „Wir sollen den Grundwehrdienst attraktiver gestalten. Das heißt, die Burschen müssen raus, Gebirge, Märsche, Feldlager. Aber wenn das Kaderpersonal keine Mehrleistungsstunden mehr hat – ja wann sollen wir das tun?“

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