Missbrauch - Weitere Millionenklage gegen das Land OÖ abgewiesen

Linz (APA) - Ein ehemaliger Kinderheimbewohner, der das Land Oberösterreich wegen angeblicher gewalttätiger und sexueller Übergriffe auf 1,1...

Linz (APA) - Ein ehemaliger Kinderheimbewohner, der das Land Oberösterreich wegen angeblicher gewalttätiger und sexueller Übergriffe auf 1,1 Mio. Euro geklagt hat, ist vor dem Landesgericht Linz abgeblitzt, wie dieses am Freitag der APA mitteilte. Die Entscheidung ist nicht rechtskräftig. Bereits vor einigen Wochen war eine ähnliche Klage in erster Instanz abgewiesen worden.

Weite Teile der Verhandlung fanden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, unter anderem auch die Erörterung eines medizinischen Gutachtens. Der Richter wies die Klage nun zurück: Zum einen sei die Verjährung eingetreten, zum anderen hätten die Misshandlungen nicht eindeutig bewiesen werden können, heißt es in dem Urteil vom 19. Mai. Der Kläger hat vier Wochen Zeit, Rechtsmittel zu ergreifen

Der im Bezirk Gmunden geborene, heute 46 Jahre alte Mann war mit zwölf im Heim gelandet, weil seine alleinerziehende Mutter mit ihren fünf Kindern überfordert war. Von 1979 bis 1983 war er in Leonstein (Bezirk Kirchdorf) untergebracht. Er berichtet von einigen „sadistischen“ Erziehern, von Prügel, sexuellen Übergriffen, Essens-und Freiheitsentzug. Vom Land bekam er bereits 20.000 Euro zugesprochen, was aber für ihn in keinem Verhältnis zu dem erfahrenen Leid stehe, hatte er die Klage begründet.

Bereits Anfang April war die Klage eines anderen ehemaligen Heimkindes in erster Instanz abgewiesen worden: Der heute 67-Jährige, der nach dem Zweiten Weltkrieg fälschlicherweise ais Vollwaise geführt worden war, hatte das Land auf 1,6 Mio. Euro geklagt. Auch hier ging es um die Frage der Verjährung. Der Kläger berief sich darauf, dass er sich an die Geschehnisse im Heim - bis hin zu sexuellen Übergriffen - jahrzehntelang nicht habe erinnern können und diese erst durch eine lebensbedrohliche Erkrankung wieder an die Oberfläche gekommen seien. Ein Gutachten hielt das für möglich, aber nicht mit wissenschaftlicher Sicherheit zu klären. Das Landesgericht Linz wies die Klage daher ab, der 67-Jährige hat Berufung angekündigt.