Tuareg-Rebellen fügen malischer Armee im Norden Niederlage zu

Bamako (APA/AFP) - Die malische Regierung hat im unruhigen Norden des Landes eine Niederlage erlitten: Tuareg-Rebellen verzeichneten dort we...

Bamako (APA/AFP) - Die malische Regierung hat im unruhigen Norden des Landes eine Niederlage erlitten: Tuareg-Rebellen verzeichneten dort weitere Geländegewinne und eroberten nach Angaben der Vereinten Nationen die Städte Kidal und Ménaka. Das Verteidigungsministerium in der Hauptstadt Bamako erklärte hingegen am Donnerstagabend, nur Kidal sei von den Rebellen eingenommen worden.

Bei Kämpfen in Kidal seien am Mittwoch rund 20 Soldaten getötet und 30 weitere verletzt worden, erklärte Verteidigungsminister Soumeylou Boubèye Maïga. Abgesehen von Kidal hielten die Regierungstruppen ihre Positionen jedoch, beteuerte er.

Ein Führungsmitglied der in der Nationalen Befreiungsbewegung von Azawad (MNLA) zusammengeschlossenen Tuareg-Rebellen machte eine andere Bilanz auf: Seit Beginn der Kämpfe am vergangenen Samstag seien 40 malische Soldaten getötet und 70 gefangen genommen worden. Die Rebellen hätten außerdem dutzende Fahrzeuge sowie mehrere Tonnen Waffen und Munition erbeutet.

Die Regierung in Bamako rief zu einem „sofortigen Waffenstillstand“ und Verhandlungen auf. Staatschef Ibrahim Boubacar Keita erklärte, seine Regierung sei stets für Gespräche „mit unseren Brüdern“ eingetreten. Auch der mauretanische Staatschef Mohammed Ould Abdel Aziz, amtierender Präsident der Afrikanischen Union, sagte während eines Besuchs in Bamako, die „Schwierigkeiten“ müssten durch „Dialog“ überwunden werden.

Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich, die mit 1.600 Soldaten in Mali präsent ist, sprach sich ebenfalls für ein Ende der Kämpfe und den Beginn von Verhandlungen aus. Der Leiter der UN-Blauhelmeinsätze, Hervé Ladsous, plädierte für eine Waffenruhe und die „Rückkehr zur vorherigen Lage“.

Mali war durch einen Militärputsch im März 2012 ins Chaos gestürzt. Frankreich griff im Jänner vergangenen Jahres militärisch ein, um ein Vorrücken islamistischer und Tuareg-Rebellen zu stoppen. Zusammen mit Soldaten aus anderen afrikanischen Staaten vertrieb die französische Armee die Rebellen aus den großen Städten des von ihnen kontrollierten Nordens. Die Sicherheitslage ist aber nach wie vor angespannt.

Die französische Armee verstärkte nach den jüngsten Unruhen ihre Präsenz in der Region. Etwa 30 Soldaten wurden am Dienstag in die MNLA-Hochburg Kidal entsandt. Etwa hundert Einsatzkräfte sollen zudem in die Stadt Gao geschickt werden, wie die Armee am Mittwoch ankündigte. Rund tausend französische Soldaten sind bereits in der Stadt stationiert.

Die Regierung in Paris hatte am Dienstag angekündigt, wegen der angespannten Lage die Neuverteilung der am Militäreinsatz „Serval“ in Mali beteiligten Kräfte hin zu einem breiter angelegten Einsatz in mehreren Staaten der Sahelzone „um einige Wochen“ zu verschieben.

Die Tuareg-Rebellen kämpfen seit den 1960er-Jahren für die Unabhängigkeit oder Autonomie großer Gebiete im Norden Malis. Azawad ist der Name der vorwiegend von Tuareg bewohnten Region, die den Norden Malis und Teile der benachbarten Staaten umfasst. Die Regierung in Bamako lehnt eine Autonomielösung ab.