Caritas Tirol

„Es gibt keine Bettelmafia“

Klaus Burger von der Caritas spricht in der Bettlerdebatte von Hilflosigkeit der Politik, aber auch der sozialen Vereine. Die 60 Bettler in Innsbruck seien privat organisiert.

Von Alexandra Plank

Innnsbruck –Das Thema Betteln lässt niemanden kalt. Täglich ist jeder Einzelne von uns mit Menschen konfrontiert, die die Hand aufhalten, und jeder Einzelne muss entscheiden, ob er etwas gibt oder vorbeigeht. Die Caritas nahm dieses Dilemma zum Anlass, um einen Gesprächsabend zur Frage „Wie können wir uns in Nächstenliebe üben und dennoch unsere Grenzen wahren?“ zu initiieren. Klaus Burger, Leiter der Sozialen Dienste der Caritas, erklärte, dass es keine Bettelmafia gebe. „Natürlich schließen sich die Menschen zusammen und reisen gemeinsam an. Kein Mensch kann aber ernsthaft glauben, dass man mit Betteln so viel Geld verdienen kann, dass es sich für die Mafia rentieren würde“, so Burger. Laut Auskunft von Elisabeth Hussl von der Bettellobby bringt ein Bettler durchschnittlich 20 bis 30 Euro pro Tag zusammen, wenn er behindert ist, mehr. „Anders als beim Betteln gibt es bei der Prostitution osteuropäischer Frauen in Tirol mafiöse Strukturen“, so Burger. Er verstehe, wenn Menschen auf Bettler aggressiv oder angstvoll reagieren. „Leider gibt es Politiker, die diesen Ängsten verantwortungslos begegnen und sagen, das Problem sei gelöst, wenn man die Bettler aus der Stadt jage.“ In Rumänien würden die Menschen so schlecht verdienen, dass sogar rumänische Volksschullehrer beim Betteln in Graz mehr Geld erhalten. Das Geben von Almosen löse das Problem auch nicht. „Wer wirklich helfen will, der unterstützt Projekte in den Herkunftsländern“, so Burger. Das Ganze sei nur europaweit zu lösen. Er habe allerdings immer zwei Euro für die Bettler eingesteckt. Niemand brauche aber ein schlechtes Gewissen zu haben, wenn er vorbeigehe. Ein sensibles Thema wurde an diesem Abend auch angesprochen: das Betteln mit Kindern. Hussl erklärt dazu, dass es kein Bettelgesetz brauche, um bei der Gefährdung des Kindeswohls einzuschreiten. „Da ist die Jugendwohlfahrt am Zug.“ Am 3. Juni findet im Haus der Begegnung ein runder Tisch zum Thema „Betteln verboten?!“ statt. Es diskutieren unter anderem LR Christine Baur und Stadtpolizeikommandant Martin Kirchler sowie Vertreter fast aller politischen Parteien. Rudi Federspiel (FPÖ) wurde nicht eingeladen.

Umfrage: Österreicher glauben an Bettelmafia

88 Prozent der Österreicher glauben, dass hierzulande eine Bettelmafia am Werk ist. Das berichtet das Nachrichtenmagazin „profil“ in seiner am Montag erscheinenden Ausgabe.

Laut der vom Meinungsforschungsinstitut Unique research für „profil“ durchgeführten Umfrage glaubt die Hälfte (47%), dass auch viele Menschen auf eigene Faust betteln. 41% glauben hingegen, dass der Großteil der Bettler in Österreich durch die Mafia organisiert ist. Nur 5% der Befragten denken, dass es hierzulande keine Bettelmafia gibt. 7% wollten sich dazu nicht äußern. (ots)

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