Test

Schräg und hart: Knallerbse Nissan Juke Nismo

© Fellner Reinhard

Ein Kompakt-SUV mit 200 PS und Allrad fährt nicht alle Tage um die Ecke. Nissan besetzte die Nische mit einem Charakterdarsteller.

Von Reinhard Fellner

Innsbruck –Crossover nennt man im Automobilbau die Mischung von Segmenten in einem Modell. Meist bezieht es sich auf etwas höhergestellte Pkw, die aufgrund ihrer Bodenfreiheit gerade noch als SUV durchgehen können. Mit dem Qashqai landete Nissan mit diesem Konzept schon einen Millionenerfolg.

2010 folgte dann der noch kompaktere Juke, den Nissan bei seiner Präsentation als Mischung von Pkw und Zweirad verstanden haben wollte. Was auch immer: Das äußerst extravagant gestylte Mini-SUV war mit 500.000 Exemplaren – allein in Europa – bislang ein Riesenerfolg. Die Marken-Eroberungsrate von Fremdmarken liegt für Nissan beim Juke gar bei 80 Prozent.

Angestachelt durch höhergelegte Giftzwerge deutscher und englischer Herkunft besetzte nun auch Nissan noch kurz vor der umfassenden Überarbeitung des Juke – die TT berichtete – die Nische der Nische.

Name: Nismo. Dieser steht für die Sportmodelle der Marke Nissan. Ausführungen: 200-Turbo-PS auf die Vorderräder gekoppelt mit manuellem Sechsganggetriebe oder über Allradantrieb und stufenloses CVT-Automatikgetriebe.

Letztere Version bollerte zum TT-Test heran. Schon der Anblick verheißt: strenge Kammer. Auf mächtigen 18-Zoll-Felgen steht er da und zieht mit sportlich-aerodynamischen Applikationen direkt aus der Nissan-Rennabteilung Blicke auf sich. Innen umschmiegen einen dann körpernah Alcantara-Sportsitze. Auch das Lenkrad trägt neben rotem Leder Rauleder – dieses fasst sich fantastisch an und zieht zusammen mit der direkten Lenkung einen präzisen Kurs. Den schlägt man auch in schärferen Kurven ohne merkliche Seitenneigung an, denn härter gefedert begegnet einem kaum einmal ein serienmäßiger Pkw.

Startknopf, Wahlhebel auf (D)rive und Gas. Uuups – da tut sich für ein 4,1-Meter-Auto mit 200 PS herzlich wenig. Einzig der herrliche Motorklang suggeriert Sportlichkeit. Schuld daran ist nicht die an sich bissige Maschine. Allein die aufheulende und sieben Gänge vorgaukelnde CVT-Automatik ist meist nicht nur in normalen Autos keine Freude, sondern in einem Sportmodell schlichtweg eine Fehlbesetzung. Zudem wiegt die Allradversion gleich um über 150 Kilogramm mehr als der Fronttriebler.

Erst einmal in Fahrt kann der ansonsten perfekt agierende Nissan-All-Mode-Allradantrieb – außer permanenter Traktion – in sportlicher Bewegung kaum Vorteile für den scharfen Nismo ausspielen. Früh schon schiebt der Allrad-Juke aufgrund des hohen Aufbaus über die Vorderräder. Die Empfehlung fällt deshalb eindeutig aus: Ja zum überaus sympathischen Juke, auch zum Nismo mit dem knackigen Sechsganggetriebe – aber Hände weg von der gehemmten Automatik-Allradversion. Lieber mit dem um 4100 Euro günstigeren Fronttriebler öfters zum Reifenhändler, dafür aber dann den eigentlichen Kaufgrund „erfahren“: Spaß.

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