Bund ließ heute in Hypo-HV Entlastung von Ex-Bossen aufheben

Wien/Klagenfurt/München (APA) - Die für den Bilanzabschluss 2013 verantwortlichen Vorstände und Aufsichtsräte sind in der Hauptversammlung d...

Wien/Klagenfurt/München (APA) - Die für den Bilanzabschluss 2013 verantwortlichen Vorstände und Aufsichtsräte sind in der Hauptversammlung der staatlichen Krisenbank Hypo Alpe Adria allesamt entlastet worden. Das änderte nichts daran, dass der gesamte Aufsichtsrat am Ende der Sitzung vollständig ausgetauscht wurde.

Ungewöhnlich und pikant war der offizielle Widerruf der Entlastung früherer Bankverantwortlicher. Auch namhafte Bayern sind dabei.

Die Hauptversammlung der Hypo hat am Freitag die Entlastung von Bankverantwortlichen früherer Jahre (2005 bis 2008) - also von einstigen Vorständen und früheren gewählten Kapitalvertretern im Aufsichtsrat - aufgehoben. Es sind dies die Nachbeben der Affäre um die Sonderdividende, die von den Verantwortlichen nach dem Hypo-“Consultants“-Verkauf vereinbart und abgenickt worden war.

Die Liste ist lang. Unter den prominenten Namen, deren Entlastung nun nachträglich aufgehoben wurde, finden sich Wolfgang Kulterer, Tilo Berlin, Othmar Ederer, Siegfried Grigg, Werner Schmidt (die BayernLB stellte damals den Hypo-Aufsichtsratsvorsitz), aber auch der bayerische Ex-Finanzminister Kurt Faltlhauser, der im Hypo-Aufsichtsrat saß.

Aktuell für Gesprächsstoff sorgte weiter der Austausch des gesamten, bis heute früh amtierenden, Aufsichtsrats, den das Finanzministerium mit dem Übergang der Hypo in eine Abwicklungseinheit begründet hat. Ihre Funktionen zurückgelegt haben Adolf Wala, Rudolf Scholten (er war bisher interimistischer Präsident), Alois Steinbichler und Helmut Draxler.

Neu ins Kontrollgremium eingetreten sind Herbert Walter, ehemals Chef der Dresdner Bank, der in wenigen Tagen den Aufsichtsratsvorsitz der Hypo übernehmen soll, Wolfgang Hartmann, zuletzt ein Jahrzehnt Risikovorstand in Deutschlands zweitgrößter Bank, der Commerzbank, der frühere osterreichische Sparkassenpräsident Alois Hochegger, die frühere steirische VP- und Wirtschaftskammerfunktionärin und Speditionsunternehmerin Regina Friedrich, und Christine Sumper-Billinger, Geschäftsführerin des Bundesrechenzentrums, die im Kabinett des früheren Finanzministers Grasser war.

Herbert Walter folgt als Hypo-Präsident Klaus Liebscher nach, der im Februar frustriert sein Amt zurückgelegt hat. Der neue Aufsichtsrat wird erst in der ersten Juniwoche zu einer konstituierenden Sitzung zusammentreffen und dort den Vorsitzenden küren.

Wie kühl der als „einvernehmlich“ beschriebene Abgang der bisherigen Räte ausfiel, ließ sich aus einer Mitteilung nach der Hauptversammlung ableiten: Demnach haben die bisherigen Aufsichtsratsmitglieder Dr. Rudolf Scholten, DI Dr. Helmut Draxler, Mag. Alois Steinbichler und KR Adolf Wala „die Gesellschaft in Kenntnis gesetzt, dass sie mit Ende der heute stattgefundenen ordentlichen Hauptversammlung ihren Rücktritt erklärt haben.“

Draxler hatte in einem heute erschienenen Zeitungsinterview Kritik an den Ex-Finanzministern Fekter und Pröll geäußert, seiner Meinung nach sind rund um die Hypo-Notverstaatlichung gravierende Fehler passiert, und dass Fekter nicht schon früher eine Abbaueinheit für die Bank ins Leben gerufen habe, sei unverständlich und letztlich teuer gekommen.

Die Hypo Alpe Adria soll bis September in eine Abbaugesellschaft umgewandelt werden, nach bisherigen Plänen soll sie über eine Sondergesellschaft unter dem Dach der ÖIAG beheimatet sein. Insider wären demnach nicht überrascht gewesen, wäre jetzt bereits ein ÖIAG-Vertreter ins Kontrollgremium eingezogen.

~ WEB http://www.hypo-alpe-adria.com

http://www.bayernlb.de ~ APA392 2014-05-23/14:00