Wahlen in Kolumbien unter dem Zeichen der Friedensgespräche

Bogota (APA/dpa) - Schlammschlacht im Wahlkampf um die Präsidentschaft in Kolumbien: Der um seine Wiederwahl kämpfende Staatschef Juan Manue...

Bogota (APA/dpa) - Schlammschlacht im Wahlkampf um die Präsidentschaft in Kolumbien: Der um seine Wiederwahl kämpfende Staatschef Juan Manuel Santos beschuldigte bei einer TV-Debatte am Donnerstagabend (Ortszeit) seinen rechten Rivalen Óscar Iván Zuluaga, in einen Spionageskandal verwickelt zu sein und als Marionette des ehemaligen Präsidenten Álvaro Uribe (2002-2010) zu agieren.

Zuluaga wiederum bezichtigte Santos, seine Wahlkampagne 2010 mit Dollar-Millionen finanziert zu haben, die ihm von Drogenhändlern gespendet worden seien. Die übrigen drei Kandidaten versuchten vergeblich, eine sachlichere Diskussion über Wahlprogramme zu führen. Als einziger zentraler Punkt stand noch die Haltung zu den Friedensgesprächen mit der linken FARC-Guerilla, die von der Regierung seit November 2012 in Havanna geführt werden.

Santos positionierte sich als Garant eines erfolgreichen Abschlusses der Gespräche, bei denen bereits Übereinkunft bei drei der fünf Verhandlungsthemen getroffen wurden. Zuluaga versprach dagegen, im Fall eines Wahlsieges als Bedingung für die Fortführung der Gespräche einen sofortigen Waffenstillstand der Guerilla zu fordern. Der Kandidat der Grünen Allianz, Enrique Peñalosa, und die linke Kandidatin Clara López zeigten eine positive Einstellung zu den Friedensverhandlungen, warfen aber Santos vor, dass er Teilerfolge bei den Gesprächen für seinen eigenen Wahlkampf genutzt habe. Die konservative Kandidatin Marta Lucía Ramírez steht dagegen den Friedensgesprächen kritisch gegenüber.

Die jüngsten Umfragen ergaben um die 29 Prozent für die beiden Spitzenkandidaten, mit einem leichten Vorsprung für Zuluaga. Die drei anderen Kandidaten erreichen nach den Umfragen um die zehn Prozent der Wählergunst. Santos und Zuluaga müssten sich demnach am 15. Juni einer Stichwahl stellen, deren Ausgang nach diesen Umfragen auch ungewiss ist.

Im Kongress sind nach den Parlamentswahlen vom März keine klare Mehrheiten zustande gekommen. Der Gewinner der Präsidentschaftswahl wird auf mehr oder weniger stabile Allianzen angewiesen sein. Zur Wahl am Sonntag sind 32,4 Millionen Bürger aufgerufen. Es wird jedoch mit einer hohen Stimmenthaltung gerechnet.