Airbus-Chef droht mit Jobabbau bei höherer Exporthürde in Deutschland

Berlin/Toulouse (APA/Reuters) - Airbus -Chef Tom Enders hat einen weiteren Stellenabbau in Aussicht gestellt, falls die deutsche Regierung d...

Berlin/Toulouse (APA/Reuters) - Airbus -Chef Tom Enders hat einen weiteren Stellenabbau in Aussicht gestellt, falls die deutsche Regierung die Exporthürden für Rüstungsgüter weiter erhöht.

„Ich mache mir große Sorgen über die Entwicklung hier in Deutschland hin zu noch restriktiveren Ausfuhrbestimmungen für Waffen. Wir haben ohnehin schon mit die schärfsten Regelungen. Aber wenn das noch ärger wird, dann könnte das zu Stellenstreichungen über unsere bisherigen Pläne hinaus führen“, sagte der Manager in einem am Freitag veröffentlichten Reuters-Interview. „Es könnte dazu führen, dass wir bestimmte Fertigungslinien schließen oder ins Ausland verlagern.“ Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel hatte im letzten halben Jahr Rüstungsgeschäfte in Milliardenhöhe freigegeben, zugleich aber angekündigt, die Exporte der Branche künftig einzuschränken.

Enders wollte die bedrohten Arbeitsplätze noch nicht beziffern. Bisher plant er die Streichung von gut 2.400 Jobs in Deutschland und 5.800 im Konzern, um seine Rüstungssparte profitabel zu halten. „Diese Regierung ist noch keine sechs Monate an der Macht und der politische Trend ist noch recht jung. Es scheint aber, dass die aktuelle Regierung noch restriktiver wird als die vorhergehenden“, sagte Enders. Die Folgen könnten ganze Werke des Flugzeugbauers betreffen. „Ich wäge meine Worte vorsichtig, aber die Entwicklung erscheint mir als ein sehr besorgniserregender Trend. Und wenn es wirklich so geschieht, steht noch mehr Ärger bevor.“

Die Akzeptanz der Waffenindustrie in Deutschland sei dabei eigentlich gegeben, sagte der Reserveoffizier Enders. „Niemand sagt, wir wollen keine Rüstungsindustrie mehr. Vielmehr wollen sie eine gesunde Rüstungsindustrie. Aber wir haben keine zusätzlichen Aufträge. Und dann werden die Exportregeln verschärft. Wie soll man dieses Geschäft dann zuverlässig führen?“

„Es ist nicht unsere Aufgabe, Politik zu machen. Wenn die Regierung eine restriktive Rüstungspolitik will, werden wir sie nicht davon abbringen können. Unsere Aufgabe ist es aber, die Folgen klar aufzuzeigen“, sagte Enders am Rande der Berliner Luftfahrtausstellung ILA. „Wir können nicht gleichzeitig eine kräftige Rüstungsindustrie haben und gleichzeitig keine Bestellungen und keine Exporte und dann noch glauben, alles geht weiter wie bisher“, kritisierte der Airbus-Chef. „Ich will nicht übertreiben, aber ich betrachte die Entwicklung beunruhigt.“

Enders forderte erneut eine bessere europäische Zusammenarbeit in Verteidigungs- und Rüstungsfragen. „Das Problem liegt bei der Europäischen Union. Es gibt zwar über die Ländergrenzen hinweg integrierte Unternehmen wie uns. Aber es gibt keine gemeinsame oder integrierte Wehrtechnikpolitik“, sagte Enders, der sein Haus nach jahrelangen Querelen zwischen den Miteignern Deutschland und Frankreich von direkten politischen Einflüssen befreit sieht. „Wenn ich eine Aufgabenliste für die Europäische Kommission schreiben müsste, würde ich daraufsetzen: Eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik, Energiepolitik und gewiss eine gemeinsame Waffenexportpolitik als Teil der gemeinsamen Sicherheitspolitik sind die Aufgaben, die die Führung bewältigen muss.“ Die Regierungen achteten bisher lediglich darauf, was im Inland populär sei. „Das ist eine entsetzliche Situation.“

Airbus leidet in seinem Militärgeschäft unter dem Ausfall von europäischen Bestellungen infolge der Finanzkrise. Die Exporterfolge für Armeeausstattungen wie den Eurofighter blieben zudem überschaubar. In Deutschland baut Airbus mit mehr als 12.000 Menschen Rüstungstechnik wie den Kampfjet Eurofighter, Hubschrauber, Digitalsysteme und Komponenten. In seiner Rüstungsparte, die mittlerweile mit dem Raumfahrtgeschäft zusammengelegt wurde, erwirtschaftete der paneuropäische Konzern zuletzt einen Jahresumsatz von fast sechs Milliarden Euro.

~ ISIN NL0000235190 WEB http://www.airbus-group.com ~ APA478 2014-05-23/15:24