Salzburger Festspiele: „Cenerentola“-Probe mit Bartoli als Kellnerin

Salzburg (APA) - Es war als Probebesuch mit Interviewmöglichkeit angekündigt und mündete rasch in eine locker-informative Plauderrunde über ...

Salzburg (APA) - Es war als Probebesuch mit Interviewmöglichkeit angekündigt und mündete rasch in eine locker-informative Plauderrunde über „Cenerentola“. Cecilia Bartoli, die künstlerische Leiterin der Salzburger Pfingstfestspiele, ließ es sich nicht nehmen, den Journalisten persönlich Kaffee zu servieren. Passend, denn die Salzburger Inszenierung dieser Rossini-Oper (Premiere am 5. Juni) spielt in Gaststätten.

Es ist ein schnuddeliges Vorstadt-Buffet, in dem sich die Salzburger „Cenerentola“ (Aschenputtel, Übers.) tagtäglich abrackern muss. „Ja, hier geht es um die Arbeiterklasse. Aber die Cenerentola jammert nicht. Sie ist immer positiv, träumt nicht von irgendwelchen Prinzen, sondern packt ihr Leben freudig an“, so die quirlige Sopranistin, die diese Rolle, wie sie sagte, „unzählige Male“ verkörpert hat. „Es gibt so viele Möglichkeiten, Rossini zu hören und zu interpretieren, das ist das Geniale an dieser Musik, sie ist zeitlos gültig.“

Auch Bartolis Bühnenpartner wie Javier Camarena, Enzo Capuano oder Nicola Alaimo sind „alte Hasen“ in ihren Rollen. Noch nie mit dem Stoff auseinandergesetzt hat sich hingegen Regisseur Damiano Michieletto, der in Salzburg 2012 „La Boheme“ und 2013 „Falstaff“ erfolgreich inszeniert hat: „Je mehr Erfahrung meine Sänger auf der Bühne haben, desto besser. Außer sie würden sich gegen neue Ideen wehren, alles abblocken und bloß fixe Vorstellungen der Rollen reproduzieren. Aber das tut in dieser Produktion niemand. Im Gegenteil, die Atmosphäre ist kreativ und locker“, sagte der Regisseur und merkte an, er sei ohnehin kein Experte für das Historische: „Die Leute die Vergangenheit lehren, das will ich nicht. Ich versuche eine Verbindung herzustellen zwischen meinen möglichst lebendigen Menschen auf der Bühne und den Zuschauern. Anders gesagt, mit geht es um unsere Zeit auf Basis der Partitur und des Werkes.“

„Ja, eine offene Einstellung („open mind“, wörtl.) ist das Geheimnis“, so Bartoli, die nicht nur künstlerisch das gesamte Festival von 5. bis 9. Juni zu verantworten hat, sondern mit ihren Solo-Auftritten in der „Cenerentola“, der Rossini-Gala sowie in Rossinis „Otello“ als „Desdemona“ am 9. Juni im Großen Festspielhaus ein enormes sängerisches Pensum leisten wird. „Auch was meine Stimme betrifft, ist die Liebe zur Arbeit und die Leidenschaft für die Musik das beste Mittel gegen Überlastung. Und Pausen gibt es schließlich auch noch.“

Musikalisch getragen werden die Sänger in der Salzburger „Cenerentola“ vom „Ensemble Matheus“ unter der Leitung von Jean-Christophe Spinosi, die Gäste aus Frankreich spielen auf Originalinstrumenten. Die Premiere dieser komischen Oper aus dem Jahr 1817 ist am 5. Juni im Haus für Mozart, am 7. wird die Aufführung wiederholt. Es gibt noch Restkarten.

(S E R V I C E - http://www.salzburgfestival.at)