Flutkatastrophe am Balkan

Großes Aufräumen beginnt: Tausende stehen vor dem Nichts

Tausende Häuser wurden durch die Überflutungen völlig zerstört, nur ein Bruchteil ist versichert: Das Jahrhunderthochwasser am Balkan zerstörte ganze Existenzen.

Belgrad/Sarajevo/Zagreb - Nach dem Jahrhunderthochwasser auf dem Balkan stehen den Flutopfern nun kräftezehrende Aufräumarbeiten bevor. In den Überschwemmungsgebieten in Serbien, Bosnien und Kroatien wurden Tausende Häuser beschädigt - viele von ihnen werden wohl nie mehr bewohnbar sein. In Serbien wurden unterdessen sechs weitere Leichen entdeckt, damit stieg die Zahl der Todesopfer insgesamt auf dem Balkan auf 57 an.

1,6 Millionen Menschen betroffen, kaum Versicherungen

Die Zahl der Hochwasser-Toten in Serbien wurde nun mit 33 angegeben. Befürchtet wurde allerdings, dass noch weitere Leichen gefunden werden. In der landesweit am schlimmsten betroffenen Stadt Obrenovac müssen Rettungsteams noch eine ganz Siedlung durchsuchen. Das Rote Kreuz, das bemüht ist, die Vermisstenlisten auf dem aktuellsten Stand zu halten, meldete am Freitag 73 Menschen, die bis jetzt nicht gefunden wurden. In Serbien sind nur etwas mehr als sechs Prozent der Haushalte und acht Prozent des Ackerlandes gegen Hochwasserschäden versichert. Von den katastrophalen Überflutungen sind nach offiziellen Angaben 1,6 Millionen Menschen betroffen.

Die Kadaver Tausender Tiere, die in den Überschwemmungsgebieten verendet sind, stellen Bosnien vor enorme Probleme. Das Land verfügt nicht über ausreichend Anlagen für deren Vernichtung. Zivko Budimir, Präsident der Bosniakisch-Kroatischen Föderation ersuchte Kroatien um Hilfe. Serbien hatte sich schon Anfang der Woche bereit erklärt, Tierkadaver in seinen Anlagen zu vernichten. In der Save wurden am Freitag allein auf dem 25 Kilometer langen Abschnitt zwischen Bosanski Samac und Orasje schätzungsweise 2000 Tierkadaver gesichtet.

Gefahr der Krankheitsübertragung durch Gelsen

In Kroatien zieht sich das Hochwasser, das vor allem Slawonien im Osten getroffen hat, langsam zurück. EU-Parlamentspräsident Martin Schulz und die für Katastrophenhilfe zuständige EU-Kommissarin Kristalina Georgieva besuchten am Freitag das Gebiet. Georgieva kündigte einen gemeinsamen Kampf der EU und Kroatiens gegen Gelsen an, die nach dem Hochwasser für Infektionskrankheiten sorgen könnten.

EU-Regionalkommissar Johannes Hahn reist am Samstag nach Serbien, um sich ein Bild von den Hochwasserschäden in dem Land zu machen. Er bekräftigte in Brüssel, dass Serbien für Hilfen aus dem EU-Solidaritätsfonds genauso förderfähig sei wie ein EU-Mitgliedsland. Alles würde bisher darauf deuten, dass die Schwelle von einem Schaden von 170 Millionen Euro im Falle Serbiens überschritten wurde. Im Falle Kroatiens sei dies noch nicht klar. Kroatien könnte aber auch Hilfen aufgrund eines regionalen Desasters oder als betroffenes Nachbarland erhalten, sagte Hahn.

Finanzielle Hilfe und Trinkwasseraufbereitung

Der Wiener Gemeinderat beschloss am Freitag einstimmig, 400.000 Euro als Soforthilfe für den Wiederaufbau am Balkan zur Verfügung zu stellen. Durch das verheerende Hochwasser in Südosteuropa hätten Hunderttausende Menschen ihre Existenzgrundlage verloren, zitierte die Rathauskorrespondenz aus dem angenommenen Antrag. Es sei nur menschlich, dass ein reiches Land wie Österreich in einer solchen Situation helfe. Zudem hätten viele in Wien lebende Menschen Verwandte im Hochwassergebiet.

Das österreichische Bundesheer schickt Experten zur Aufbereitung von Trinkwasser in das Katastrophengebiet nach Bosnien-Herzegowina. Das kündigte das Verteidigungsministerium an. Das Team wird in der Lage sein, bis zu 240.000 Liter Trinkwasser pro Tag zu produzieren und transportieren. Damit können rund 50.000 Personen versorgt werden. Es soll Mitte kommender Woche in Bosnien eintreffen. Aufgrund der akuten Bedrohung durch ausgeschwemmte Landminen wird das Kontingent durch einen Minensuchtrupp begleitet. (APA/AFP)

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