Hochwasser - Geringer Temperaturunterschied im Atlantik als Auslöser

Wien/Belgrad/Sarajevo (APA) - Das verheerende Hochwasser am Balkan hat seinen Ausgang im Atlantik genommen. Das berichtete die Technische Un...

Wien/Belgrad/Sarajevo (APA) - Das verheerende Hochwasser am Balkan hat seinen Ausgang im Atlantik genommen. Das berichtete die Technische Universität (TU) Wien am Freitag in einer Aussendung. Der Auslöser war der geringe Wassertemperatur-Unterschied zwischen den nördlichen und südlichen Regionen des Ozeans. Die Wahrscheinlichkeit dafür steige aufgrund der Klimaerwärmung, warnte der TU-Hochwasserexperte Günter Blöschl.

Die gewöhnlichen zonalen Westwinde wurden in weiterer Folge abgeschwächt und es bildete sich eine dominantere Nord-Süd-Komponente der Luftströmung. Dabei können Wirbel abreißen, stationär werden und ungewöhnlich lange über einer Region verharren, so die TU-Wien. Genau das sei in den vergangenen Wochen über dem Balkan geschehen. Regenwolken, die in gewöhnlichen Wettersituationen weiterziehen würden, blieben über dem Balkan gefangen und sorgten für gewaltige Niederschlagsmengen.

„Wenn Luft zwischen heißen äquatornahen Gebieten und der kalten Polarregion strömt, bewegt sie sich nicht auf einer geraden Süd-Nord-Linie, sie wird durch die Corioliskraft aufgrund der Erdrotation abgelenkt“, erläuterte Blöschl vom Institut für Wasserbau und Ingenieurhydrologie. Wie Zahnräder greifen mehrere globale Luftbewegungen ineinander. In unseren Breiten beobachtet man normalerweise eine planetarische zonale Luftströmung von West nach Ost. Diese Strömung ist allerdings nicht völlig gleichmäßig, da die Corioliskraft sich mit dem Breitengrad ändert, wodurch sogenannte Rossby-Wellen entstehen, die sich nach Westen bewegen - in die Gegenrichtung zur vorherrschenden planetarischen Strömung, so die nähere Erklärung.

„Die Situation am Balkan zeigt große Ähnlichkeiten zu dem Jahrhundert-Hochwasser in Österreich im Jahr 2013“, sagte Blöschl. Bereits über Monate waren die Niederschlagsmengen am Balkan relativ hoch. „Dadurch waren die Böden gesättigt, nur ein kleiner Teil des Niederschlags konnte einsickern“, so der Experte. Mit solchen Wassermassen sei allerdings statistisch weniger als einmal pro Jahrhundert zu rechnen.