Papst im Heiligen Land

Papst Franziskus tief beunruhigt über Lage im Nahen Osten

Mit der Reise will Franziskus an den historischen Besuch seines Vorgängers Paul VI. im Heiligen Land vor 50 Jahren erinnern. In Jerusalems Altstadt hängen bereits Bilder des Papstes.
© REUTERS

Es ist erst die zweite Auslandsreise von Papst Franziskus. Und sie führt ihn gleich in die konfliktgeladene Region des Nahen Ostens. Mit Spannung wird erwartet, wie sich der Pontifex in diesem politischen Minenfeld bewegt.

Rom - Papst Franziskus hat zum Auftakt seiner Pilgerreise ins Heilige Land seine tiefe Besorgnis über die Konflikte in der Region geäußert. Er nehme „voll Schmerz das Andauern starker Spannungen im Nahen Osten“ wahr, sagte der Pontifex am Samstag bei einer Rede im Königspalast in der jordanischen Hauptstadt Amman. Der Besuch des mitgereisten Maronitenführers, Beshara Rai, erzürnte indes die Hizbollah.

Mut zugesprochen

Der Papst sprach dem Haschemitenreich und allen anderen Menschen der Region zugleich Mut zu, „sich weiterhin in der Suche nach dem ersehnten dauerhaften Frieden für die gesamte Region zu engagieren“. Den könne es nur bei einer „friedlichen Lösung der syrischen Krise wie auch einer gerechten Lösung für den israelisch-palästinensischen Konflikt“, geben, mahnte Franziskus im Königspalast in Amman. Dort hatte ihn zuvor König Abdullah II. auf der ersten Station seiner knapp dreitägigen Pilgerreise empfangen. Am Flughafen hatten ihn bereits etwa 6000 Menschen jubelnd begrüßt.

Zugleich äußerte der Papst „tiefen Respekt und Achtung für die muslimische Gemeinschaft“. Und würdigte die Religionsfreiheit und die Rolle der christlichen Minderheit in Jordanien. Sie leiste mit ihren Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung Jordaniens. Er rief jedoch dazu auf, die Religionsfreiheit und Bürgerrechte der in einigen anderen Ländern der Region verfolgten Christen zu gewährleisten.

Ausdrücklich lobte Franziskus die Anstrengungen des Königreiches bei der Versorgung Hunderttausender Flüchtlinge aus dem Irak und vor allem aus Syrien. „Diese Aufnahme verdient die Würdigung und die Unterstützung der Internationalen Gemeinschaft“, sagte der Pontifex. Die katholische Kirche werde sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten in der Hilfe für die Flüchtlinge und die Notleidenden engagieren, vor allem durch die Caritas Jordanien.

Mammut-Programm

In Jordanien stand nach dem Treffen mit dem König eine Messe im internationalen Stadion auf dem Programm. Schon Stunden vorher warteten dort Zehntausende mit Gesängen auf den Papst. Daran sollte sich ein Besuch der möglichen Taufstätte Jesu Christi am Jordan-Fluss und eine Begegnung mit Flüchtlingen anschließen.

Die Reise führt den Papst bis Montag noch in die Palästinensergebiete und nach Israel. Dort ist am Sonntag ein ökumenisches Treffen in der Grabeskirche aus Anlass des historischen Treffens von Papst Paul VI. mit dem orthodoxen Patriarchen Athenagoras vor 50 Jahren in Jerusalem geplant.

Erstmals besucht anlässlich der Nahostreise des Papstes mit Patriarch Rai unterdessen auch ein religiöser Führer aus dem Libanon das verfeindete Israel. Die radikale Schiitenmiliz Hisbollah reagierte verärgert und mit unterschwelligen Drohungen. Die Reise absagen wollte der Rai deswegen nicht: „Es ist ein religiöser, kein politischer Besuch, wenn sich der Papst in meine Diözese begibt, ist es normal, dass ich ihn dort begrüße“, verteidigte er seinen Entschluss. (dpa/APA)

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