Champions-League-Finale

Klassenkampf zwischen Real und Atletico um Europas Fußballkrone

Atletico und Real setzen auf ihre Stürmerstars Diego Costa und Cristiano Ronaldo.
© Gepa

Real Madrid hat das Geld, Atlético Madrid das Herz: Im ersten Stadt-Duell in der Champions-League-Geschichte geht es für die „Königlichen“ um „La Decima“ und für die „Arbeiter“ um einen Sieg im Klassenkampf.

Von Hubert Winklbauer

Innsbruck – Vor zehn Jahren, 2004 war es. Da war im Estádio da Luz in Lissabon einem 19-Jährigen die Verzweiflung innerlich derart hochgestiegen, dass sie sich in Tränenform kenntlich gemacht hat: Portugal hatte das EM-Finale im eigenen Stadion als Favorit gegen Griechenland 0:1 verloren. Ronaldo war in der 75. Minute allein vor Griechenlands Keeper Nikopolidis aufgetaucht – und war gescheitert. Heute würde er so eine Chance reinhauen. Heute würde er auch nicht mehr weinen. Zu viel hat der zweifache Weltfußballer (2008, 2013) seitdem erlebt.

Real setzt auf Cristiano Ronaldo

Nach den letzten Zweifeln wird Ronaldo laut Trainer Carlo Ancelotti („Er hat keine Probleme“) heute fix im Estádio da Luz auflaufen. Um seine Gesundheit ranken sich aber viele Geschichten. 16 Tore, so viel wie noch nie einer vor ihm, hat er bislang in dieser CL-Saison erzielt. War er zu wild auf diesen Rekord? War er zu oft in dieser Saison verletzt angetreten? Ärzte hatten ihn gewarnt, die persönlichen Therapeuten hingegen sahen keine Notwendigkeit, seine Gelüste nach jeder auch noch so unwichtigen Partie, wie etwa dem Achtelfinalrückspiel gegen Schalke (nach einem 6:1 auswärts), zu hemmen. Mehrmals hatte er sich vor einem Spiel abmelden oder früh auswechseln lassen müssen.

Aber die Fans der „Königlichen“ beten für ihn – und sind sich sicher: Der Fußballgott „da oben“ wird dafür sorgen, dass der Fußballgott „da unten“ für mindestens 90 Minuten fit ist.

Ronaldo ist der wichtigste Mann, ist die Verkörperung aller Sehnsüchte nach dem zehnten Titel in der höchsten aller Ligen – auf spanisch: La Decima. Beim Final-Gegner Atlético steht der wichtigste Mann nicht auf dem Spielfeld, sondern in der Coaching-Zone: Diego Simeone, der Trainer und Gegenspieler von Reals Carlo Ancelotti.

Atletico mit Opferbereitschaft zum Sieg

Keine Mannschaft auf den europäischen Fußballfeldern scheint mit mehr Opferbereitschaft geimpft als dieses Kollektiv. Den Trotz der Underdogs hat der 44-jährige Argentinier zu einer Philosophie gemacht, Simeones raue, ehrliche Art kommt an im ärmeren Süden Madrids, wo sie ihren früheren Mittelfeldmalocher zu Weihnachten 2011 als Trainerlösung präsentierten. Sie lieben ihn, weil er ja schon von 1994 bis 1997 für die „Matratzenmacher“ alles gegeben hat, weil er 2003 noch einmal zurückkehrte und später sagte: „Ich würde nie zu Real gehen.“

Zum Einstand gewann er 2012 gleich mal die Europa League, 2013 das spanische Pokalfinale und in der Vorwoche die spanische Meisterschaft. „Ich habe lieber weniger Ballbesitz, dafür mehr Torchancen“, sagt er und offenbart sich dabei als Gegenentwurf zu Pep Guardiola.

Ancelotti denkt ähnlich. Zumindest, wenn es notwendig ist. Wie in München im Halbfinale. Die Bayern hatten den Ball, Real die Macht. Und am Ende einen 4:0-Sieg. Mit einem Tempofußball, der dem von Atlético ähnlich war.

Atlético hofft noch immer, dass Diego Costa bei einer Wunderheilerin fit wird. Real auf die Fitness Ronaldos. Dann, sind sich beide Teams sicher, könne heute nichts schiefgehen.

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