Papst im offenen Wagen: Regierung Palästinas hofft auf PR-Effekt

Amman/Ramallah (APA) - Die Palästinensische Autonomiebehörde erwartet einen positiven Einfluss des Papstbesuchs auf den Tourismus in Palästi...

Amman/Ramallah (APA) - Die Palästinensische Autonomiebehörde erwartet einen positiven Einfluss des Papstbesuchs auf den Tourismus in Palästina. Bilder von Papst Franziskus, der im offenen Wagen durch die Straßen von Bethlehem fährt, widerlegten israelische Propaganda, Palästina sei unsicher für Touristen, sagte Tourismusministerin Roula Maaya laut Kathpress der palästinensischen Nachrichtenagentur Wafa.

Christen in aller Welt könnten so erleben, dass in Palästina Sicherheit herrsche. Dies könne christliche Touristen zum Besuch im Land ermutigen. Franziskus ist am Samstag zu Mittag im Rahmen seiner Nahost-Reise in Amman eingetroffen, am Sonntag wird er für einen sechseinhalbstündigen Besuch in Bethlehem sein. In der Geburtsstadt Jesu sind unter anderem ein Gottesdienst unter freiem Himmel sowie eine Begegnung mit Flüchtlingen vorgesehen. Anschließend reist der Papst nach Israel weiter.

Franziskus ist der erste Papst, der die direkte Einreise nach Palästina wählt. Das wertet man in Palästina auch als ein deutliches Zeichen politischer Anerkennung. Für die Bewohner von Bethlehem kommt Franziskus nicht nur als Kirchenführer, sondern auch als Staatschef auf Staatsbesuch.

Bei einem Pressebriefing kurz vor dem Papstbesuch sagte PLO-Mediensprecher Xavier Abu Eid, die 21 israelischen Siedlungen rings um Bethlehem würden das erste sein, das Papst Franziskus von der Jesus-Geburtsstadt zu sehen bekommen werde. Die Protokollarchefin des palästinensischen Präsidentenpalastes, Nivin Sarraj, erklärte, die wichtigste politische Dimension des Besuches liege darin, dass Franziskus‘ nach Bethlehem kommt. „Besonders stolz sind wir, dass er direkt von Jordanien aus nach Bethlehem kommen wird.“

Palästinensische Flüchtlinge aus dem Aida-Camp und dem Lager Al-Azzeh sollen den Weg des Papstkonvois vom Präsidentenpalast zum Krippenplatz in Bethlehem säumen. 70 Prozent der Palästinenser, auch der palästinensischen Christen - so Abu Eid - seien Flüchtlinge.

Wenn Franziskus in Dheisheh, dem dritten Flüchtlingslager Bethlehems, auf rund 100 palästinensische Schulkinder treffe, würden großformatige Fotoinstallationen mit Bildern aus der „Nakba“, der großen Vertreibung durch Israel, sowie Szenen der Besatzungsrealität das Kirchenoberhaupt umrahmen. „Wir wollten Bilder, die der Welt von unserer Situation der andauernden Besatzung und des Leidens erzählen“, begründete der Initiator der Ausstellung und Leiter des „Palestine Museum“, Jack Persekian, die Aktion.

Noch weit sichtbarer für die Weltöffentlichkeit wird ein zweiter Bilderzyklus auf dem Krippenplatz sein. Es sind barocke Szenen aus dem Leben Jesu, in einer Fotomontage vereint mit Szenen des palästinensischen Kampfes gegen die Besatzung.

Bethlehems Bürgermeisterin Vera Baboun sagte, sie erwarte vom Papst, dass er das Lebensrecht Palästinas betone: „Nach der Zuerkennung des Beobachterstatus bei der UNO, dem Scheitern der Friedensgespräche mit Israel und der Aussöhnung von Fatah und Hamas ist dies der richtige Moment. Ich hoffe, er sieht ihn.“

Frei von politischen Anklängen ist inzwischen kein Akt im vom palästinensisch-israelischen Konflikt geprägten Heiligen Land. So formulierten 20 palästinensische Priester einen Appell, mit dem sie sich gegen die eingeschränkte Bewegungsfreiheit und den schwierigen Zugang zu Jerusalem an den Papst wandten. Wie die Mehrheit der palästinensischen Christen seien sie der „unerträglichen Einengung“ müde, schreiben die Priester. Sie bringen zum Ausdruck, was viele in Palästina beschäftigt: „Kann der Heilige Vater einige Stunden im Heiligen Land verbringen, ohne ein Wort über diese symbolträchtige Realität der Ungerechtigkeit zu sagen, die einem Volk als Gefangene im eigenen Land geschieht?“

Eine Initiative der Christlich-Ökumenischen Heilig-Land-Stiftung (HCEF) will die Untrennbarkeit von Religion und Politik handfest machen. Die Mitglieder wollen dem Papst ein Kreuz aus Betonpartikeln von der israelischen Sperrmauer übergeben. Es soll Franziskus auch nach seiner Rückkehr nach Rom an das Leiden der Palästinenser erinnern und die Welt für die „palästinensische Sache“ sensibilisieren.