Terror in Nigeria

Über 30 Tote bei Überfall auf Dörfer und Anschlag auf Fußballfans

Der Terror in Nigeria hinterlässt weiter tiefe Spuren: Nachdem am Mittwoch zwei Autobomben auf einem Markt in Jos explodierten (Bild), wurden bei einem Anschlag am Samstag Fußball-Fans, die sich das Champions-League-Finale anschauten, getötet.
© EPA

Boko Haram-Kämpfer sollen Dörfer im Nordosten Nigerias überfallen haben. Ein Sprengsatz detonierte während der Champions-League-Übertragung in der zentralnigerianischen Stadt Jos.

Abuja - Schreckliches Ende für einen Fußballabend: Ein Selbstmordattentäter sprengt sich in Nigeria in die Luft, als sich Fans gemeinsam das Champions-League-Finale ansehen. Hat die Terror-Sekte Boko Haram wieder zugeschlagen?

Bei einem Bombenanschlag in der zentralnigerianischen Stadt Jos sind nach Berichten eines Augenzeugen acht Menschen getötet worden. Die Explosion ereignete sich in der Nacht zum Sonntag, Ziel der Attacke waren Zuschauer des Finales der Fußball-Champions-League. Der Anschlag löste eine Massenpanik aus, sagte Abdullateef Adio der Nachrichtenagentur dpa am Sonntag. Er habe acht Leichen gesehen, etwa 50 Menschen seien verletzt worden. Drei Gebäude fingen durch die Explosion Feuer. Ein Polizeisprecher bestätigte jedoch nur zwei Tote, einer davon der Selbstmordattentäter, und zwei Verletzte.

Ein Augenzeuge sagte der Zeitung „Daily Trust“, der Sprengsatz sei detoniert, kurz bevor der Attentäter die Menschen an einem öffentlichen Treffpunkt erreichte. Zu dem Zeitpunkt waren einige Minuten der zweiten Halbzeit gespielt. Versteckt war der Sprengsatz offenbar in einem Auto.

Bislang bekannte sich niemand zu dem Anschlag. Nach Einschätzungen von Beobachtern könnte die islamistische Terrorgruppe Boko Haram verantwortlich sein.

Dörfer überfallen

Mutmaßliche Islamisten der Boko Haram haben nach Polizeiangaben erneut Dörfer überfallen und mindestens 28 Menschen getötet. Die Überfälle hätten sich bereits am Donnerstag in einer abgelegenen Gegend im Bundesstaat Borno ereignet, erklärten Behörden und Augenzeugen am Samstag. Bei einem Anschlag in der Stadt Jos wurden indes drei Menschen getötet.

Eines der drei überfallenen Dörfer befindet sich nahe Chibok, wo die sektenartig organisierte Gruppe Boko Haram Mitte April rund 200 Schülerinnen verschleppt hatte. Die Angreifer hätten Dorfbewohner erschossen und Häuser niedergebrannt, wie Augenzeugen berichteten. Allein in der Zeit nach der Entführung sind mindestens 450 Zivilisten von den Extremisten getötet worden.

Autobomben auf belebtem Markt

Erst vor wenigen Tagen wurden bei Explosionen zweier Autobomben auf einem belebten Markt in Jos mehr als 100 Menschen getötet worden. Als Urheber wurde die Terrorgruppe Boko Haram vermutet. Jos liegt im Bundesstaat Plateau, an der Schnittstelle zwischen dem christlich geprägten Süden Nigerias und dem muslimischen Norden. In der Vergangenheit gab es dort immer wieder tödliche Auseinandersetzungen.

Boko Haram, was übersetzt in etwa „Westliche Bildung ist Sünde“ bedeutet, kämpft für die Einführung der Scharia im ganzen Land. Die USA hatten zuletzt erklärt, Nigeria bei der Suche nach den Schülerinnen helfen zu wollen. Von den rund 200 entführten Mädchen im Norden fehlt trotz der Unterstützung internationaler Experten und dem Einsatz von westlichen Aufklärungsflugzeugen noch jede Spur.

Die Islamisten drohen, die Mädchen zu verkaufen, wenn die Regierung in Abuja gefangene Boko-Haram-Mitglieder und deren Angehörige nicht freilässt. Nach Einschätzung Frankreichs ist Boko Haram inzwischen eine Gefahr für ganz West- und Zentralafrika. Mehrere afrikanische Länder wollen bei ihrer Bekämpfung zusammenarbeiten.

Die Gruppe mit Kontakten zu nordafrikanischen Al-Kaida-Ablegern ist seit 2009 verantwortlich für den Tod Tausender Menschen in Nigeria, dem bevölkerungsreichsten Land Afrikas. (APA/dpa/Reuters/AFP)

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