Belgien

Angriff auf jüdisches Museum in Brüssel: viertes Opfer gestorben

Ein unbekannter Täter hatte am Samstag in dem Jüdischen Museum in der Brüsseler Innenstadt um sich geschossen und dabei vier Menschen getötet. Der Verdächtige ist weiter flüchtig.
© REUTERS/Eric Vidal

Einen Tag nach dem Angriff auf das Jüdische Museum in Brüssel verfolgt die Polizei einen Mann - offenbar ein Einzeltäter. Die Bevölkerung soll mithelfen. Die Hintergründe der Tat bleiben unklar.

Brüssel/Jerusalem - Nach dem Angriff auf das Jüdische Museum in Brüssel läuft die Fahndung nach einem unbekannten Täter auf Hochtouren. Bei dem Gewaltverbrechen starben nach Angaben der Staatsanwaltschaft vier Menschen, ein Touristenpaar aus Israel und eine Französin. Ein junger Belgier lag zunächst schwerverletzt im Krankenhaus. Er verstarb am Sonntag.

Die Polizei wollte im Laufe des Tages Fahndungsfotos veröffentlichen. Der Tatverdächtige soll allein gehandelt haben und gut vorbereitet gewesen sein. Die Bevölkerung wurde gebeten, mit Informationen zu helfen. Die Polizei hatte bereits am Samstag einen Mann festgenommen. Der Zeuge wurde inzwischen wieder freigelassen.

Antisemitischer Hintergrund vermutet

Ein unbekannter Täter hatte in dem Museum in der Innenstadt aus noch ungeklärten Motiven am Samstagnachmittag um sich geschossen. Das Touristenpaar starb nach Schilderung des Museums im Eingangsbereich. Dann habe der Mann auf zwei weitere Personen geschossen, die für das Museum arbeiteten. Schließlich flüchtete er. Das Museum teilte mit, es habe weder Informationen noch Erklärungen für den Überfall.

Auf die Frage von Journalisten, ob es sich um ein antisemitisches Attentat handele, sagte Innenministerin Joëlle Milquet: „Es gibt eine starke Vermutung.“ Aber es sei Sache der Ermittler, dies festzustellen. Sie kündigte verstärkten Polizeischutz für jüdische Einrichtungen im ganzen Land an.

Zwei der vier Todesopfer waren Touristen aus Israel. Das bestätigte Paul Hirschson vom israelischen Außenministerium in Jerusalem der Nachrichtenagentur dpa am Sonntag. Zurzeit werde alles vorbereitet, um die Leichen in die Heimat überzuführen. Es handele sich um ein Paar aus Tel Aviv, die Angehörigen seien verständigt worden, fügte der Diplomat hinzu.

Anschlag verurteilt

Die tödlichen Schüsse eines Unbekannten am Vortag würden in Israel als Terroranschlag eingestuft. Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu hatte die Tat in der Nacht verurteilt. Er kritisierte die „permanente Hetze gegen Juden und ihren Staat“ sowie „Verunglimpfungen und Lügen“ gegen Israel.

Auch die EU verurteilte die Tat. Sie sei solidarisch mit den belgischen Behörden und der jüdischen Gemeinschaft, erklärte EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton. Der französische Staatspräsident François Hollande verurteilte ebenfalls die Bluttat und versicherte dem benachbarten Belgien die Solidarität Frankreichs zu.

Wiesenthal-Zentrum fordert Kampf gegen Antisemitismus

Das Wiesenthal-Zentrum hat Europa nach dem Mordanschlag von Brüssel zum verstärkten Kampf gegen Antisemitismus und anti-israelische Haltungen aufgerufen. „Alle europäischen Staatsmänner sollten Maßnahmen ergreifen, extremen anti-israelischen und anti-jüdischen Tendenzen entgegenzuwirken“, sagte der Rabbiner Abraham Cooper, stellvertretender Direktor des Simon Wiesenthal Centers in Los Angeles, am Sonntag. Seine Organisation verurteile „den mörderischen Terroranschlag“ im Jüdischen Museum in Brüssel auf das Schärfste, fügte Cooper während eines Israel-Besuchs hinzu.

Das Jüdische Museum in Brüssel hatte vor neun Jahren geöffnet. Es besitzt eine bedeutende Sammlung mit Objekten der jüdischen Geschichte. Das Attentat überschattet die Parlaments-, Regional- und Europawahlen in Belgien. (APA/dpa/Reuters)

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