Tod in Paraguay 2011: Mordprozess ab 3. Juni in Wiener Neustadt

Wiener Neustadt (APA) - Wegen Mordes an einer laut Gutachten in Paraguay vermutlich vergifteten Niederösterreicherin müssen sich am Landesge...

Wiener Neustadt (APA) - Wegen Mordes an einer laut Gutachten in Paraguay vermutlich vergifteten Niederösterreicherin müssen sich am Landesgericht Wiener Neustadt ab 3. Juni ihr Ehemann und eine damalige Reisebegleiterin verantworten. Die Geschworenenverhandlung unter Richtervorsitz von Gerald Grafl ist für drei Tage angesetzt, ein Urteil könnte es also am 5. Juni geben.

Die Angeklagten sollen, so der Vorwurf, am 28. September 2011 in Independencia „im bewussten und gewollten Zusammenwirken als Mittäter“ ihr Opfer vorsätzlich getötet haben, indem sie der 47-Jährigen eine tödliche Dosis des opioidhaltigen Schmerzmittels Hydromorphon verabreicht haben sollen. Die Frau erlitt einen Herz- bzw. Atemstillstand infolge der durch den Wirkstoff herbeigeführten Intoxikation.

Die zunächst eingestellten Ermittlungen in dem Fall waren wieder aufgenommen worden, da Einiges merkwürdig erschien. So soll der Verdächtige vor der Abreise nach Paraguay im Namen seiner Frau deren Job gekündigt haben. Dann soll der 53-Jährige eine Beerdigung noch am Todestag bewirkt und den südamerikanischen Behörden dabei verschwiegen haben, dass er der Ehemann der Toten war. Die Angehörigen in Österreich verständigte er nicht und blieb mit der 46-jährigen Begleiterin noch mehrere Wochen in Paraguay. Wieder in Österreich lebten die beiden dann unter einem Dach.

Im Sommer 2012 beantragte die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt bei den südamerikanischen Behörden eine Exhumierung und Obduktion. Diese war nicht mehr möglich, es wurde aber Probematerial sichergestellt, das in Österreich von einem Sachverständigen auf toxische Substanzen geprüft wurde. Im vergangenen November - mehr als zwei Jahre nach dem Tod der 47-Jährigen - wurden die Beschuldigten wegen Mordverdachts in U-Haft genommen.

Als Tatmotiv gelten u.a. zwei Lebensversicherungen der Frau im Wert von 80.000 Euro. Auch nach seiner Rückkehr habe der Mann seinen Schwager nicht informiert, berichtete der „Kurier“, der den mysteriösen Fall wiederholt beleuchtet hatte. „Ich bin zur Polizei gegangen, um eine Vermisstenanzeige zu machen. Erst da habe ich erfahren, dass sie tot ist“, wurde der Bruder der Toten zitiert. Laut der Tageszeitung handelte es sich bei dem festgestellten Schmerzmittel um jenes Medikament, dass der Verdächtige seit Jahren gegen sein Krebsleiden einnehme. Aus Sicht der Verteidiger stehe die Todesursache nicht fest, man gehe daher von einem natürlichen Tod aus. Auch in der ORF-Sendung „Thema“ ist die unglaubliche Geschichte im März aufgerollt worden.