Champions League

Atleticos Trainer-„Gott“ Simeone verpokerte sich im Finale

Simeone (r.) haderte im Finale auch mit dem Schiedsrichter.
© Retuers

Der Argentinier entschuldigte sich nach dem Finale für die frühe Auswechslung seines Stürmerstars Costa.

Lissabon – Der späte Ausgleichstreffer von Sergio Ramos hat Diego Simeone tief ins Herz getroffen. Den Gewinn der Fußball-Champions-League gegen den Stadtrivalen Real dicht vor Augen, stand der Atletico-Coach in Lissabon noch in der 89. Minute vor den eigenen Fans und animierte sie, mehr Lärm zu machen. Dann kam Ramos und köpfelte in der 93. Minute das 1:1, was die Verlängerung bedeutete.

Für Atletico war dies gleichbedeutend mit dem Ende aller Träume. Denn in der Zusatzschicht ging dem Außenseiter endgültig die Luft aus, nachdem er sich bereits zuvor nur noch mit viel Mühe in Richtung Ziellinie zu schleppen schien.

„Es war meine Verantwortung, ihn zu bringen „

Die Atletico-Helden waren müde. Auch Simeone konnte ihnen nicht mehr helfen - weil er bereits vor dem Finale den womöglich spielentscheidenden Fehler begangen hatte. Den Argentinier, von Mittelfeldspieler Tiago im Vorfeld noch als „Gott“ bezeichnet, hatte dieses Mal sein Gespür verlassen, auf das er sich in Atleticos erster Meistersaison seit 18 Jahren zuvor immer hatte verlassen können.

Dieses Mal verpokerte sich der verehrte Coach. Er hatte seinem Toptorjäger Diego Costa vertraut und ihm geglaubt, dass er nach seiner Oberschenkelverletzung rechtzeitig fit sein würde. Aber bereits in der 9. Minute humpelte der Stürmer wieder vom Platz - keine neue Verletzung, sondern schlicht die Erkenntnis, doch nicht gesund gewesen zu sein.

Simeone musste also früh wechseln und hatte in der Schlussphase, als sein Team wie ein angeschlagener Boxer in den Seilen hing, nicht mehr die Möglichkeit, einen frischen Spieler zu bringen. Oder durch eine Einwechslung etwas Zeit zu schinden. „Es war meine Verantwortung, ihn zu bringen und deshalb auch mein Fehler“, sagte Simeone. „Ich entschuldige mich dafür.“

„Real war in Halbzeit zwei besser“

Dass er sich in den letzten Sekunden der Verlängerung auch noch einen heftigen Disput mit Reals Raphael Varane lieferte und nach seinem ungestümen Platzsturm auf die Tribüne verbannt wurde, versetzte Simeones glorifiziertem Bild weitere Kratzer. Dem Argentinier war der Kragen geplatzt, weil der Real-Innenverteidiger nach dem Tor zum 4:1 den Ball in Richtung Atletico-Bank schoss. „Das war keine gute Aktion von ihm, aber wahrscheinlich auch nicht von mir“, gab Simeone danach zu.

Der Coach des spanischen Meisters musste auch eingestehen, dass der Sieg des Stadtrivalen trotz des späten Ausgleichs verdient war. „Real war in der zweiten Hälfte besser. Wir wurden weit zurückgedrängt und konnten uns nicht mehr befreien.“

Die Saison seines Clubs bewertete Simeone mit 9,5 von 10 möglichen Punkten. „Diesen halben Extra-Punkt haben wir heute leider verpasst. Das ist enttäuschend, aber wir müssen an dieser Niederlage wachsen“, betonte Argentiniens Ex-Nationalspieler, der von den spanischen Journalisten nach der Pressekonferenz mit lautem Applaus verabschiedet wurde. (APA/dpa/Reuters/AFP)

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