Flutkatastrophe am Balkan

Heer liefert Trinkwasser für 50.000 Menschen

Ab Donnerstag soll das Hilfskontingent des österreichischen Militärs einsatzbereit sein. Im bosnischen Katastrophengebiet drohen Seuchen.

Sarajewo –„Ich persönlich habe noch nichts Vergleichbares gesehen“, ist Major Franz Fraiss von den ersten Eindrücken im Norden Bosniens erschüttert. Der österreichische Offizier führt ein siebenköpfiges Vorauskommando an, das einen Einsatzort für eine österreichische Anlage zur Wasseraufbereitung auskundschaften soll. Ab Donnerstag will er 50.000 Menschen mit Trinkwasser versorgen.

Voraussichtlich wird das Kontingent mit insgesamt 70 Soldatinnen und Soldaten in Samac sein Quartier aufschlagen. Die Stadt mit rund 20.000 Einwohnern liegt im serbischen Landesteil Bosniens, an der Mündung des Flusses Bosna in die Save. Die Koordinatoren der Hilfe hätten für dieses Gebiet Bedarf nach Wasseraufbereitung angemeldet, berichtete Fraiss der TT am Telefon. Gestern waren der Major und seine Kameraden auf dem Weg in die Stadt nahe der kroatischen Grenze.

Unterwegs habe sich ein Bild der Verwüstung geboten. Hangrutschungen mit Hunderten Metern Länge, manche Ortschaften, welche die Gruppe passierte, seien zum Höhepunkt der Flut sechs Meter unter Wasser gestanden.

Die Auswahl des Einsatzortes geschieht im Zusammenspiel mit den örtlichen Behörden und den internationalen Hilfskoordinatoren. Das Bundesheer kann täglich bis zu 240.000 Liter Trinkwasser aufbereiten, diese Menge reicht für die Versorgung von 50.000 Menschen. Das Bundesheer kann dieses Wasser mit Tankwagen und geländegängigen Klein-Lkw auch verteilen.

Die österreichischen Helfer wollen außerdem Gerät zur Desinfektion ins Katastrophengebiet bringen. Mit dem Rückgang des Wassers wächst die Seuchengefahr. Nicht nur in Samac tragen die Helfer bereits Schutzmasken. Heißdampf mit 210 Grad soll in Schulen und Spitälern Erreger abtöten.

Der Großteil des Kontingents – darunter neun Soldaten vom Stabsbataillon 6 aus Absam – soll am Dienstag von Korneuburg bei Wien nach Bosnien aufbrechen. „Wir gehen davon aus, dass wir am Donnerstag das erste Wasser ausgeben können“, schildert Fraiss den weiteren Zeitplan.

Zuvor müssen auch die Helfer die bürokratischen Hürden des bosnischen Zolls überwinden. Valentin Inzko, der Hohe Repräsentant der Internationalen Gemeinschaft in Bosnien-Herzegowina, hatte die Verzögerungen am Wochenende eingestanden. Verantwortlich dafür seien aber nicht nur die bosnischen Behörden, sondern auch Vorgaben der EU und der internationalen Gemeinschaft. (sabl)

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