Tennis: Thiem denkt in Paris nicht an mögliches Nadal-Match

Paris (APA) - Dominic Thiem hat sich sein großes Ziel erfüllt und steht erstmals fix im Hauptbewerb der French Open. Dort, wo er vor drei Ja...

Paris (APA) - Dominic Thiem hat sich sein großes Ziel erfüllt und steht erstmals fix im Hauptbewerb der French Open. Dort, wo er vor drei Jahren bei den Junioren schon ein Endspiel erreicht hat, feiert er nun seine Premiere bei den Herren. Sein Erstrunden-Gegner ist am Montag mit Paul-Henri Mathieu kein Unbekannter, an Rafael Nadal in einer möglichen Runde zwei denkt Thiem nicht.

„Alle reden über die Zweitrunden-Partie, was richtig schlecht ist, weil Mathieu war mal die Nummer 12 der Welt. Wenn ich gegen den verliere, ist es für mich zumindest keine Überraschung“, warnt Thiem vor dem 32-jährigen Franzosen, der mit dem Heimvorteil im Rücken 2002 und 2008 schon im Achtelfinale dieses Majors gestanden ist. „Er ist erfahren, hat gute Grundschläge und die Franzosen sind hier immer sehr gut.“

Natürlich weiß er, dass ein Zweitrundenmatch gegen den achtfachen French-Open-Champion Rafael Nadal winkt, aber: „Die Medien dürfen an das tolle Duell denken. Ich mache es nicht, weil ich weiß, wie gut alle Spieler hier im Feld sind.“ Dazu komme, dass durch seine Magen-Darm-Virus-Erkrankung im Vorfeld seine Vorbereitung gar nicht optimal war.

Seine Major-Premiere hatte Thiem mit der erfolgreichen Qualifikation schon bei den Australian Open in Melbourne gefeiert, wo er sogar die zweite Runde erreichte. Das Gefühl, nach Paris zurückzukehren, ist für ihn dennoch ein ganz anderes. „Es ist immerhin das erste Grand Slam (fix) im Hauptbewerb. Es ist ein viel besseres Gefühl, wenn man hier als wirklicher Spieler ist, als als Trainingspartner oder Junior.“

Bis zu seinem Auftaktmatch, das am Montag über die Bühne gehen soll, will er versuchen, die verlorene Substanz („Ich habe zwei, drei Kilo verloren“) möglichst wieder gutzumachen. Schon das Erreichen der zweiten Runde vergangene Woche in Nizza hatte ihn überrascht, denn eigentlich war er nur hingefahren, um der 5.000 Dollar-Strafe für das Nichterscheinen zu entgehen.

Nicht einmal wenn er gewollt hätte, hätte Thiem vor einem Jahr in Paris dabei sein können. Der im neuesten Ranking schon auf Platz 57 aufscheinende Bresnik-Schützling war damals noch auf Platz 279 zu finden und noch wesentlicher - er war schwer erkrankt. Eine Darmbakterien-Erkrankung warf den Youngster ins Krankenbett. „Ich habe im Spital Paris geschaut“, erinnert sich Thiem im APA-Gespräch. „Ich habe jeden zweiten Tag Blut- und Stuhlproben abgegeben, sie haben Darmspiegelungen, Darm-Ultraschall - einfach alles - gemacht. Das war so ähnlich wie eine chronische Salmonellen-Vergiftung.“

Thiem sah sich plötzlich mit ganz anderen Problemen als vergebenen Matchbällen oder Niederlagen auf dem Platz konfrontiert. „Ich war vier Wochen in Baden im Spital.“ Wie gelähmt sei er gewesen, ohne Energie, ohne Lust. „Wenn ich daran denke, ist jetzt eh jedes Match ein Geschenk.“ Mit damals 19 machte sich Thiem ernsthaft Sorgen um seine Gesundheit. „Ich habe nicht mehr gepackt, was mit meinem Leben passiert ist, weil ich einfach komplett hin war von diesem Krankheits-Scheiß.“ Erst langsam hat er dann wieder ans Tennis gedacht.

Umso bemerkenswerter sind seine Rückkehr auf die Tour und sein rasanter Aufstieg seither im Ranking. „Ja sicher, das war ein Superjahr.“ Nun klopft der 20-jährige Lichtenwörther gar schon an die Top 50, doch zu schnell ist ihm das - auch wegen der medialen Aufmerksamkeit - nicht gegangen. „Es kann nie zu schnell gehen eigentlich, wenn dann nur zu langsam.“ Auch an das Verteidigen von Punkten denkt er nicht. „Am Anfang vom Jahr habe ich noch Angst vor 45 Punkten gehabt, das ist jetzt weg.“

Ob ihn diese erste Zeit auf der harten Tour der Erwachsenen verändert hat? „Sicher habe ich mich entwickelt, vor allem im letzten Jahr. Davor war ich noch ein Kind. Ein Kind, dem alles egal war, so wie ein Kind halt ist. Es war auch schwierig für mich zu sehen, dass das Leben halt nicht so läuft, wie man es aus Kinderaugen sieht. Aber der Beruf Tennissport hilft sicher extrem in der Entwicklung, auch wenn er teilweise sehr hart ist.“

Seine Eltern sieht er nun dementsprechend selten. Kaum kann er sich vorstellen, dass sie in seinem Alter schon Vater und Mutter wurden. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich jetzt ein Kind kriege“, platzt es aus ihm heraus und er lacht.

Gegen eine Freundin hätte er allerdings nichts einzuwenden, gibt er offen zu. „Ich will auf jeden Fall eine, und habe auch schon lange keine mehr gehabt. Aber es ist schwierig, die Richtige zu finden, weil die muss das alles verstehen. Man sieht sich vielleicht zwei, drei Mal im Monat“, erklärt Thiem. Auch im Tennis-Lager kennt er natürlich die Damen - und sie kennen ihn. „Nur die Jungen, aber die interessieren mich auch mehr“, stellt er lachend fest.

Seinem 14-jährigen, ebenfalls sehr talentierten Bruder Moritz steht auf dem Weg auf die Tour noch ein weiter Weg bevor. „Es ist mir egal, ob er einmal auf der Tour spielt oder nicht. Ich bin glücklich, wenn er es ist“, sagt der große Bruder. Er selbst habe mit 14 noch „einen kompletten Topfen zusammengespielt“. Und weiß, welche Mühsal Moritz noch vor sich hat, will er es wirklich schaffen. „Ich beneide ihn nicht, dass er noch in dem Alter ist und das Ganze noch vor sich hat.“