Filmfestspiele Cannes: Ceylan widmet Preis der türkischen Jugend

Cannes (APA/dpa) - Der Regisseur Nuri Bilge Ceylan hat die Goldene Palme für seine Intellektuellen-Abrechnung „Winter Sleep“ jenen zugedacht...

Cannes (APA/dpa) - Der Regisseur Nuri Bilge Ceylan hat die Goldene Palme für seine Intellektuellen-Abrechnung „Winter Sleep“ jenen zugedacht, die in der Türkei seit einem Jahr bei teils gewaltsam niedergeschlagenen Protesten gegen die Regierung aufbegehren. „Ich widme die Palme der türkischen Jugend, all jenen, die im vergangenen Jahr ihr Leben verloren haben“, sagte er sichtlich gerührt.

Die Italienerin Alice Rohrwacher, die für ihrem Film „Le meraviglie“ über eine in einfachsten Verhältnissen auf dem Land lebende Familie den zweitwichtigsten Preis, den Große Preis der Jury, erhielt, kämpfte auf der Bühne mit den Tränen. Timothy Spall, der für seine grunzende Darstellung des britischen Malers „Mr. Turner“ im gleichnamigen Film von Mike Leigh ausgezeichnet wurde, liefen sie sogar während seiner gesamten Dankesrede über die Wangen. Bei den Frauen ging der Preis ebenfalls verdient an Hollywood-Star Julianne Moore und deren hysterische Tour de Force in „Maps to the Stars“ von David Cronenberg.

Enttäuschend war für viele Kritiker jedoch die Jury-Entscheidung für den anderen Favoriten des Festivals. Der erst 25-jährige Xavier Dolan begeisterte mit „Mommy“ und seiner mutigen und intensiv-kraftvollen Inszenierung einer Mutter-Sohn-Geschichte: Wie er mit der Größe der Leinwand spielt, wie er seine Charaktere exzessiv durchs Leben schickt. Dafür gab es am Ende dann „nur“ den Preis der Jury.

Eine der beiden großen Auszeichnungen für Dolan wäre ein deutlicheres Zeichen für junge Talente und Verjüngung gewesen. Immerhin verlässt sich das Festival seit Jahren vor allem auf seine männlichen Stammgäste, und die sind meist über 50. Die lieferten wie Mike Leigh, David Cronenberg und die Dardenne-Brüder zwar auch wieder starke Beiträge ab. Und doch muss Cannes aufpassen, dass es die Stimmen des Kinos von morgen nicht ignoriert.

Dolan selbst ließ sich seine Freude aber nicht nehmen. Unter Tränen dankte er der Juryvorsitzenden, der neuseeländischen Regisseurin Jane Campion. Ihr oscar-prämierter Film „Das Piano“ habe ihn inspiriert und seine Karriere entscheidend beeinflusst. „Ich glaube, alles ist möglich“, sagte Dolan, „wenn man liebt, sich etwas traut, arbeitet und niemals aufgibt.“