Kunst

„Weißes Gold“ mit Tiroler Schliff

Von seiner Tiroler Werkstatt aus belieferte Bildhauer Jacob Auer um 1700 Europas Fürsten- häuser. In Berlin kommt jetzt eines seiner Meisterstücke aus Elfenbein unter den Hammer.

Innsbruck, Berlin –Die Kunstkammer des Kunsthistorischen Museums in Wien beherbergt eindrückliche Beispiele dafür, dass fürstliche Prunk- und Sammellust der Renaissance- und Barockzeit vor allem auch mit Preziosen aus seltenen und exotischen Materialien zu stillen war. Das so genannte „weiße Gold“ ist eines davon. Und ausgerechnet der Tiroler Bildhauer Jacob Auer war ein Meister seiner Verarbeitung. In der Wiener Kunstkammer zählt Auers Skulptur „Apoll und Daphne“ zu den Virtuosenstücken der barocken Elfenbeinkunst, die Statuetten, Reliefs, Prunkgefäße und gedrechselte Werke hervorbrachte. Die Faszination für das edle Material ging sogar so weit, dass manch kunstaffiner Fürst selbst Hand ans Luxusgut anlegte und das Elfenbeindrechseln erlernte. Den Beruf dürften sie den berühmtesten Elfenbeinschnitzern ihrer Zeit damit nicht streitig gemacht haben – Auers Meisterstücke jedenfalls sind heute auch in anderen bedeutenden Museen wie dem Pariser Louvre, dem Bayerischen Nationalmuseum in München oder dem Victoria und Albert Museum in London zu finden.

Kaum aber auf dem Kunstmarkt, wo jetzt mit einem Hausaltar mit Elfenbeinrelief von Jacob Auer also eine absolute Rarität auftauche, wie Stefan Körner vom Berliner Auktionshaus Villa Grisebach betont. Das Elfenbein-Täfelchen des Altars, der am 29. Mai bei Grisebach in der auf ausgewählte Objekte spezialisierten Sparte „Orangerie“ versteigert wird (Schätzwert: 200.000 Euro) zeigt eine Darstellung der Maria mit Kind und dem Johannesknaben – es dürfte über schwäbischen Adelsbesitz in eine Münchner Privatsammlung gelangt sein, sagt Körner. Eine Variante des um 1700 entstandenen Werks befindet sich im Bayerischen Nationalmuseum.

© villa grisebach

Der um 1645 am Haimingberg geborene und 1706 in Grins gestorbene Auer selbst hat Tirol im Übrigen nie länger verlassen, er betrieb eine Werkstatt für Groß- und Kleinplastiken in Grins, schuf zahlreiche Holz- und Marmorskulpturen für Kirchen und Stifte – und eben auch fragile Elfenbeinarbeiten, die ihm europaweite Berühmtheit einbrachten und um die man sich an den europäischen Königshöfen regelrecht gerissen haben muss. Auch seine elfenbeinenen Andachtsbilder mit biblischen Szenen fanden Eingang in fürstliche oder geistlichen Sammlungen. Und erfreuten sich auch noch weit über ihre Entstehungszeit hinaus großer Beliebtheit, wie die erst im 18. Jahrhundert entstandene, der Mode der Zeit angepasste antikisierte Altar-Rahmung der „Maria mit Kind“ erahnen lässt. (jel)

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