EU-Wahl: Junckers EVP dürfte klar stärkste Kraft werden

Brüssel (APA) - Die Europäische Volkspartei mit ihrem Spitzenkandidaten Jean-Claude Juncker dürfte klar stärkste Kraft bei den EU-Wahlen wer...

Brüssel (APA) - Die Europäische Volkspartei mit ihrem Spitzenkandidaten Jean-Claude Juncker dürfte klar stärkste Kraft bei den EU-Wahlen werden. Nach jüngsten Hochrechnungen auf Basis der ersten Länderergebnisse kombiniert mit Umfragen kann die EVP mit 233 von 751 Sitzen rechnen, die Sozialdemokraten kommen demnach nur auf 194 Mandate. Schwächer als erwartet dürften demnach auch die Rechtsextremen abschneiden.

Aus den großen Ländern wie Deutschland, Frankreich und Großbritannien lagen noch keine Ergebnisse vor. Die Prognosen sehen für die Liberalen 63 Mandate vor, die Grünen könnten europaweit auf 46 Sitze kommen. Der ECR (Die Europäischen Konservativen und Reformisten) werden 40 Abgeordnete zugewiesen, der EFD (Fraktion Europa der Freiheit und Demokratie) 35 Sitze, die GUE (Vereinigte Europäische Linke/Nordische Grüne) kommt auf 50.

Von den keiner Fraktion zuzuordnenden Parteien kann die linksgerichtete Fünf-Sterne-Bewegung des Italieners Beppe Grillo mit 23 Abgeordneten rechnen. Die eher rechtsextremen Parteien würden gemeinsam auf 35 Sitze kommen, wobei slowakische SNS (Nationalpartei), die den Einzug nach ersten Ergebnissen verfehlte, schon herausgerechnet wurde. Die sogenannten normalen Fraktionslosen kann mit insgesamt 32 Abgeordneten rechnen.

Sollte sich der abzeichnende Wahlsieg der EVP bestätigen, wäre dies auch ein starkes Signal an die Staats- und Regierungschefs, den Spitzenkandidaten Jean-Claude Juncker zum neuen EU-Kommissionspräsidenten zu wählen. Die Sozialdemokraten (SPE) haben den derzeitigen EU-Parlamentspräsidenten Martin Schulz ins Rennen um den Brüsseler Spitzenjob geschickt. Formal sind die Staats- und Regierungschefs bei ihrem Vorschlag nicht gebunden, doch hat das EU-Parlament klar gemacht, dass es nur einen von den Spitzenkandidaten akzeptiert.

Die Prognose könnte sich im Verlauf des Abends aber noch ändern, wurde sie doch vor Wahlschluss in den sechs bevölkerungsreichsten EU-Staaten Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Spanien und Polen erstellt.

In Deutschland zeichnete sich ein Rückschlag für die konservative Union von Bundeskanzlerin Angela Merkel ab, während die SPD offenbar von der europaweiten Spitzenkandidatur von Martin Schulz profitieren konnte. Einer nach Wahlschluss um 18.00 Uhr veröffentlichten ARD-Prognose zufolge lag die Union bei 36 Prozent, die SPD bei 27,5 Prozent. Die Euro-kritische „Alternative für Deutschland“ (AfD) kam aus dem Stand auf 6,5 Prozent der Stimmen.