EU-Wahl: Karas führt ÖVP zu Platz 1 - Blaue und Grüne stark

Wien (APA) - Die ÖVP bleibt Österreichs Europapartei Nummer 1. Entgegen den Prognosen gab es bei der heutigen EU-Wahl kein Kopf-an-Kopf-Renn...

Wien (APA) - Die ÖVP bleibt Österreichs Europapartei Nummer 1. Entgegen den Prognosen gab es bei der heutigen EU-Wahl kein Kopf-an-Kopf-Rennen um den ersten Platz. Die Volkspartei ließ trotz Verlusten die SPÖ klar hinter sich. Sehr starke Ergebnisse erzielten Freiheitliche und Grüne, während die NEOS enttäuschten. Die Kleinparteien waren chancenlos.

Nach letzten Hochrechnungen dürfte die ÖVP mit rund 27,5 Prozent etwa zwei Prozentpunkte und ein Mandat verlieren. Die SPÖ ist mit knapp 24 Prozent auf dem Niveau von 2009, wogegen die Freiheitlichen auf knapp 20 Prozent zulegten. Dieses Plus von knapp sieben Punkten übertrifft sogar noch jenes der Grünen, die mit fast 15 Prozent um fünf Punkte zulegten. Keine Rede war von einem Duell mit den NEOS um Platz vier, denn die neue liberale Partei blieb mit möglicherweise nicht einmal acht Prozent deutlich unter den eigenen Erwartungen.

Für die ÖVP bedeutete das Abschneiden durchaus einen Erfolg, umso mehr als diesmal mit den NEOS eine Konkurrenz im Rennen war, die speziell der Volkspartei zu schaden drohte. Auch bundespolitischen Rückenwind hatte EU-Spitzenkandidat Othmar Karas nicht. Von dessen stark persönlich geprägtem Wahlkampf profitiert nun auch VP-Chef Michael Spindelegger, dem eine Personaldiskussion erspart bleibt. Eine Obmann-Debatte gebe es nun sicher nicht, betonten Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner und Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter unisono.

Entsprechend dankte Spindelegger Karas: „Du hast es uns in erster Linie ermöglicht.“ Der Spitzenkandidat selbst sprach von einem „wunderschönen Tag“.

Auch bei den Freiheitlichen freute man sich uneingeschränkt über das eigene Abschneiden, selbst wenn es doch nicht für die 20 Prozent reichen sollte. „Wir sind der Sieger des Abends, alle anderen schauen alt aus“, betonte Spitzenkandidat Harald Vilimsky. Parteichef Heinz-Christian Strache attestiert den Koalitionsparteien, sich jetzt ihre Niederlage schönreden zu wollen.

Tatsächlich war man in der SPÖ nicht wirklich unglücklich. Spitzenkandidat Eugen Freund sah ein „sehr achtbares Ergebnis“. Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos betonte, dass man den Abstand zur ÖVP verringert habe.

Zweiter großer Gewinner des Wahlsonntags waren aber die Grünen mit ihrem bundesweit besten Ergebnis aller Zeiten, das mit drei Mandaten enden dürfte, womit man knapp hinter den Freiheitlichen im EU-Parlament mit vier Mandaten wäre. Spitzenkandidatin Ulrike Lunacek sah den Erfolg ihrer Partei ebenso dem inhaltlich ausgerichteten Wahlkampf geschuldet wie Bundessprecherin Eva Glawischnig.

Keine Jubelfeiern gab es bei den NEOS. Zweistellig wollten die Pinken werden, rund acht Prozent wurden es, Wahlziel verfehlt, gestand Parteichef Matthias Strolz ein. Immerhin zeige das Ergebnis aber auch, dass sich die NEOS mit dem zweiten Parlamentseinzug in Österreich etabliert hätten: „Auch die pinken Bäume wachsen nicht über Nacht in den Himmel.“ Spitzenkandidatin Angelika Mlinar empfand ob des Ergebnisses eine gewisse „Bitternis“.

Die Kleinparteien hatten am Wahlsonntag nichts mitzureden. Überraschend kam, dass nicht die medial viel beachtete Liste „Europa anders“ stärkste der Kleinen wurde, sondern „EU-Stop“, eine im Wahlkampf praktisch nicht aufgefallene Liste, die wohl vor allem aufgrund ihres Namens erstaunlich 2,5 Prozent erzielen konnte.

Die Wahlbeteiligung dürfte mit 45 Prozent um einen Punkt zurückgehen, also nicht so stark wie befürchtet.