EU-Wahl - Merkels Union verliert, SPD und Euro-Kritiker stark

Berlin (APA/dpa/Reuters) - Im bevölkerungsreichsten EU-Staat Deutschland haben die Europawahlen am heutigen Sonntag Verluste für die regiere...

Berlin (APA/dpa/Reuters) - Im bevölkerungsreichsten EU-Staat Deutschland haben die Europawahlen am heutigen Sonntag Verluste für die regierenden Christdemokraten und deutliche Zugewinne für die Sozialdemokraten gebracht. Ersten Prognosen von ARD und ZDF zufolge lag die Union mit 36 zu 27,5 Prozent vor der SPD. Die Euro-kritische Alternative für Deutschland (AfD) kam aus dem Stand auf 6,5 Prozent.

Merkels Union lag damit sowohl unter ihrem Ergebnis bei der Bundestagswahl im September (41,5 Prozent) als auch unter ihrem Europawahlergebnis von 2009 (37,9). Die SPD legte hingegen gegenüber der letzten Europawahl (20,8 Prozent) klar zu und lag auch über ihrem Ergebnis bei der Bundestagswahl (25,7). Im Wahlkampf hatte die SPD unter anderem damit geworben, dass ihr Spitzenkandidat Martin Schulz auch europaweiter Anwärter der Sozialdemokraten auf das Amt des Kommissionspräsidenten ist.

Die Grünen schnitten mit 11,0 Prozent (ZDF: 10,5 Prozent) relativ stark ab, die Partei die Linke konnte sich mit 8,0 Prozent (7,5 Prozent) dagegen nicht verbessen. Die beiden Parteien sind derzeit die einzigen Oppositionsgruppen im Deutschen Bundestag.

Die Liberalen, die im September zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland aus dem nationalen Parlament geflogen waren, sackten bei der Europawahl weiter ab. Sie kamen nach den Prognosen nur auf 3,0 Prozent. Allerdings gibt es bei der Europawahl in Deutschland keine Sperrklausel, sodass sie weiter im EU-Parlament vertreten sein werden.

Ins neue Europaparlament mit insgesamt 751 Abgeordneten entsenden CDU und CSU laut der ARD-Prognose 35 (ZDF: 36) Parlamentarier, die SPD 27 (28). Die Grünen schicken 11 (10) Abgeordneten nach Straßburg und Brüssel, die Linken 8 (7). Die AfD stellt 6 Abgeordnete nach Prognosen beider Sender, die FDP 3. Je einen Parlamentarier entsenden dem ZDF zufolge die Piraten und die Freien Wähler.

Die Wahlbeteiligung lag mit 48,0 (47,0) Prozent höher als im Jahr 2009 mit 43,3 Prozent. In mehreren deutschen Bundesländern fanden am heutigen Sonntag auch Kommunalwahlen statt.